Warum Enterprise Architecture Management? Um eine Antwort auf diese Frage zu geben, muss man die aktuellen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen betrachten. Ob Industrialisierung oder Globalisierung, die Welt ist im stetigen Wandel und befindet sich mit der Digitalisierung mitten in der nächsten großen Herausforderung. Lebens- und Arbeitswelten rücken in allen Bereichen enger zusammen und werden noch stärker vernetzt. Dies birgt gleichermaßen Risiken wie immense Chancen.
Die IT spielt im Zuge der digitalen Transformation eine entscheidende Rolle. IT-Landschaften großer Unternehmen und Organisationen wachsen rasant und historisch bedingt oftmals heterogen, werden sich zukünftig aber stark verändern und neu ordnen. In der Vergangenheit lag der Schwerpunkt bei Geschäftsprozessen auf einzelnen Disziplinen wie Controlling und Rechnungswesen. Heute muss die IT viele zusätzliche Anforderungen innerhalb zentraler Abläufe der Organisationen erfüllen.
Eine IT-Strategie der Zukunft benötigt daher einen neuen und höheren Grad an Flexibilität und Transparenz über alle Prozesse hinweg. Wer dabei nicht schlüssig definiert, welche Ziele er in und mit der Digitalisierung verfolgt, wird sich in den vielfältigen Möglichkeiten verlieren oder in fruchtlosen Einzelmaßnahmen verrennen.
Enterprise Architecture Management hat zum Ziel, den Ist-Zustand transparent und entscheidungsrelevant abzubilden und daraus priorisierte Maßnahmen und Strategien abzuleiten. . Dabei dient EAM auch der Begleitung und dem Nachweis des Fortschritts bezüglich Agilität, Sicherheit, Stabilität und Nachhaltigkeit.
Auswahl und Anpassung eines geeigneten Rahmenwerks
Die Auswahl eines geeigneten Frameworks für die Architektur ist von außerordentlicher Bedeutung für das Gelingen einer EAM-Einführung. Das Rahmenwerk der Wahl muss eine hohe Flexibilität und Anpassungsfähigkeit aufweisen, um agil auf sich schnell ändernde äußerliche Faktoren und Märkte und technologische Entwicklungen (z. B. Cloud und Plattformökosysteme) reagieren zu können.
Darüber hinaus sollte das Rahmenwerk leicht verständlich und auch von Mitarbeitenden ohne Fachwissen anwendbar sein, um zu gewährleisten, dass dieses auch genutzt wird. In kleinere Organisationen ist es nicht notwendig, ein Standard-Rahmenwerk, wie zum Beispiel TOGAF®, vollständig zu implementieren. Es ist vielmehr zu empfehlen, einzelne Bestandteile eines passenden Rahmenwerks zu verwenden und diese für einzelne Ziele, wie zum Beispiel die Reduktion ungewollter Redundanzen, einzusetzen.
Hierdurch vermindert sich die Komplexität und der Umfang der Architektur. Dies führt zu einer höheren Akzeptanz der Stakeholder sowie zu einer deutlichen Senkung des Zeit- und des Geldeinsatzes.
Agile IT-Landschaften mit EAM
Um zukünftig dauerhaft erfolgreich zu sein, dürfen Geschäftsprozesse und unterstützende IT-Systeme und -Anwendungen nicht länger „aneinander vorbeiwirtschaften“. Enterprise Architecture Management hilft dabei, Business-Prozesse, digitale Produkte und Plattformen enger miteinander zu verknüpfen und die Organisation als Ganzes zu betrachten. Im übergreifenden Architekturmanagement werden die unterschiedlichen Ebenen eines Unternehmens und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten erfasst, um auf äußere Einflüsse dynamisch und zielgerichtet zu reagieren.
Die Ziele der Organisation können auf dieser Basis zukunftsorientiert neu ausgerichtet und auch kurzfristig flexibel und effektiv an neue Erfordernisse und Herausforderungen angepasst werden. Die Enterprise Architecture beschreibt genau dieses Zusammenspiel von Geschäftsprozessen und IT unter dem Schlagwort Business IT Alignment sowie zunehmend entlang von Business Capabilities und Wertschöpfungsketten.
Vorteile von Enterprise Architecture Management
Wer EAM in seinem Unternehmen lebt, profitiert von unterschiedlichen Vorteilen, die wir uns hier im Detail ansehen wollen.
Transparenz
Transparenz ist einer der Kernvorteile von Enterprise Architecture Management. Um Prozesse und IT agil und effizient aufzubauen, benötigt es zunächst eine solide Basis. Dazu bietet EAM eine bewährte Methodik und universelle Sprache zur strukturierten Beschreibung und Bewertung des Ist-Zustands sowie zur Ableitung fundierter Entscheidungen sowie zur Festlegung konkreter Ziele und Standards. So behalten Unternehmen den Überblick selbst über komplexe Prozesse, Technologien und IT-Systeme. Veränderungen und Fortschritt werden dokumentiert.
Agilität
Wer die Wechselwirkungen in seiner Unternehmensarchitektur kennt, erhält die Möglichkeit, dynamisch auf aktuelle Entwicklungen zu reagieren. Dabei helfen auch – im Rahmen des Enterprise Architecture Managements definierte – wiederverwendbare Elemente, APIs sowie standardisierte Plattform- und Service-Bausteine. Mit dem Zusammenspiel aus Transparenz und Richtlinien lassen sich Change-Prozesse leichter initialisieren und begleiten.
Zukunftsfähigkeit
Ein agiles Unternehmen hat die Fähigkeit, Veränderungen rechtzeitig zu antizipieren und so der Konkurrenz voraus zu sein. Mit einem richtig eingesetzten EAM reagieren Firmen nicht nur auf Rahmenbedingungen, sondern sind selbst innovativ. Dank transparenter Wechselwirkungen und Abhängigkeiten werden Trends sowie Digitalisierungs- und Transformationspotenziale schnell identifiziert. Dabei ist es wichtig, die EAM-Ziele klar zu definieren und an der Unternehmensstrategie auszurichten. So wird Enterprise Architecture Management zu einem essenziellen Faktor für den Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit.
Kostenersparnis
Mit EAM können Unternehmen Redundanzen erkennen und reduzieren. Viele IT-Landschaften sind historisch und zeitweise in rasanter Geschwindigkeit gewachsen. Hier “aufzuräumen”, birgt große Einsparpotenziale. Weitere Einsparungen (Zeit und andere Ressourcen) versprechen effizientere Prozesse im Zuge der Maßnahmen.
Sicherheit und Stabilität
Informationen und Wissen bilden die Basis für höhere Sicherheit und stabilere Geschäftsabläufe. EAM schafft eine transparente Unternehmensarchitektur. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, Schwachstellen in Systemen, IT und Prozessen rechtzeitig zu erkennen. Das Risiko, zum Beispiel von unerwarteten IT-Ausfällen oder ablaufenden Lizenzen, überrascht zu werden sinkt.
EAM-Maßnahmen: Auf die richtige Strategie kommt es an
Eine durchdachte Strategie ist das A und O für ein erfolgreiches Enterprise Architecture Management. Sie hilft auch dabei, alle beteiligten Stakeholder zu überzeugen und für das Projekt zu gewinnen. Aus unseren Erfahrungen empfehlen wir, bei der Einführung und Weiterentwicklung von EAM, die folgenden Betrachtungswinkel besonders zu beachten:
- Welche Ziele sollen erreicht werden?
- Welche Rahmenbedingungen sind zu beachten?
- Welche Managementdisziplinen sind zu integrieren oder auszuprägen?
- Welche Stakeholder sind zu berücksichtigen?
Es ist wichtig, Enterprise Architecture Management nicht isoliert zu sehen, sondern es im Zusammenhang mit einem ganzheitlichen Management über den kompletten Lebenszyklus zu verstehen. Um ein umfassend wirkungsvolles strategisches IT-Management zu erreichen, sind unterschiedliche Teildisziplinen zu berücksichtigen:
- Anforderungsmanagement
- Projektmanagement
- Qualitätsmanagement
- Service Management
- Systemmanagement
- Lizenzmanagement
- IT Controlling
- IT Governance
- IT-Recht & Compliance
- IT Security Management
All diese Teildisziplinen beeinflussen sich gegenseitig, bilden Abhängigkeiten oder Ausschlusskriterien. Um hier ein übergreifendes, zielorientiertes und wirkungsvolles Handeln möglich zu machen, ist ein geeigneter Tool-gestützter Ansatz ein zentraler Enabler, dessen Erfolg maßgeblich von klarer Governance, Datenqualität und organisatorischer Verankerung abhängt.
Nur so lässt sich ein strategisches IT-Management realisieren, dass die Anforderungen von heute erkennt und erfüllt und gleichzeitig die Herausforderungen von morgen vorhersagen und adressieren hilft.