Zurück

Der souveräne Arbeitsplatz: Microsoft, Google und openDesk im Vergleich

Mal eben Teams, Slack oder Jira eingeführt. Pandemie, Homeoffice, Druck von allen Seiten. Hauptsache: Die Kolleginnen und Kollegen bleiben arbeitsfähig. Das hat funktioniert – aber viele Behörden und Organisationen zahlen heute den Preis. Etliche Teams-Kanäle ohne klare Struktur. Das falsche Tool für die falsche Art von Zusammenarbeit. Berechtigungen zu großzügig hier, zu restriktiv dort. Kurz: ein Flickenteppich. Nun heißt es: Aufräumen. Insellösungen konsolidieren, Governance nachziehen, Rollen und Sicherheitsrichtlinien sauber definieren.

Autor:in:
· Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: · Thema: Business Transformation & Platforms , Cloud , Digitale Verwaltung

Das Wichtigste im Überblick

  • Der souveräne digitale Arbeitsplatz ist kein Standardprodukt, sondern entsteht aus Governance, Technologie und organisatorischen Rahmenbedingungen.
  • Microsoft 365 bietet Funktionsvielfalt und starke Security, wirft jedoch durch US‑Recht und Cloud Act grundsätzliche Souveränitätsfragen auf.
  • Microsoft 365 Local und die Delos Cloud erhöhen die Kontrolle über Daten, bringen aber funktionale Einschränkungen und höhere Komplexität mit sich.
  • Google Workspace by STACKIT adressiert digitale Souveränität technisch stark, ist jedoch in Behörden kaum etabliert und aufwendig einzuführen.
  • Häufige Cloud‑Updates sind sicherheitsrelevant, erschweren aber in souveränen Modellen Prüf‑ und Freigabeprozesse erheblich.
  • openDesk kombiniert Open‑Source‑Technologien zu einer souveränen Kollaborationssuite für den öffentlichen Sektor mit großem Zukunftspotenzial.
  • In der Praxis führt nur eine passgenaue Kombination mehrerer Lösungen zu einem tragfähigen souveränen Arbeitsplatz.

Digitale Souveränität als neuer Faktor

Als wäre das nicht genug, kommt die große politische Dimension hinzu. Die weltpolitische Lage und eine wachsende Skepsis gegenüber US-Technologiekonzernen sorgen für Druck. Die Forderung lautet: digitale Souveränität.

Im Bereich der Infrastruktur gibt es inzwischen souveräne Infrastructure-as-a-Service-(IaaS)-Angebote. Aber beim digitalen Arbeitsplatz selbst sieht es mager aus.

Microsoft 365: stark, aber nicht souverän

Für viele Behörden ist Microsoft 365 der logische Schritt. In der öffentlichen Verwaltung ist Microsoft mit seinen Lösungen bereits weit verbreitet. Eine E3-Lizenz beinhaltet gleich ein komplettes Paket, inklusiv E-Mail, Kalender, Teams, OneDrive, SharePoint, Security und Compliance.

Doch Microsoft ist ein US-Konzern und unterliegt somit dem Cloud Act. Im Ernstfall müssen Daten herausgegeben werden.

Microsoft reagiert mittlerweile auf die Forderung nach mehr Souveränität: Mit Microsoft 365 Local soll es künftig möglich sein, Teile des M365-Stacks wie Exchange oder SharePoint in eigenen Rechenzentren oder in einer souveränen Cloud-Umgebung zu betreiben. Die Grundlage dafür ist Azure Local. Allerdings bietet diese Variante nicht den vollen Funktionsumfang der Public-Cloud-Version. Insbesondere Teams wird nach aktuellem Stand nicht vollständig lokal verfügbar sein. Dennoch erlaubt der Ansatz erstmals, zentrale Microsoft-Komponenten unter eigener Kontrolle zu betreiben.

Delos Cloud: maximale Souveränität mit Microsoft-Technologie

Noch einen Schritt weiter geht die Delos Cloud. Sie betreibt Microsoft-Technologien vollständig entkoppelt von den globalen Microsoft-Systemen und das in Deutschland, von einem deutschen Unternehmen. Updates laufen dabei laut Anbieterkommunikation über einen vom BSI gesicherten Kanal in die Plattform ein und werden durch staatliche Stellen auditiert³. Damit wird ein Niveau an digitaler Souveränität erreicht, das über Microsoft 365 Local hinausgeht.

Google Workspace by STACKIT: souverän, aber komplex

Auch Google mischt mit. Gemeinsam mit STACKIT gibt es das Angebot „Google Workspace by STACKIT“, betrieben in europäischen Rechenzentren, getrennt vom globalen Google-Universum. Das Modell adressiert die Anforderungen an die digitale Souveränität und setzt auf client-side encryption, also Verschlüsselung bereits auf dem Endgerät, sodass selbst Google keinen Zugriff auf die Daten hat.

In deutschen Behörden ist Google Workspace bislang kaum verbreitet. Eine Einführung wäre daher mit erheblichem Aufwand für Integration, Anpassung und Schulung verbunden.

Updates als Herausforderung für Souveränität

Alle großen Cloud-Provider spielen Updates im Tagesrhythmus ein¹. Das ist wichtig für die Sicherheit und Funktionsfähigkeit, stellt in souveränen Varianten aber besondere Anforderungen an Prüfung und Freigabeprozesse. Während Microsoft für seine souveränen Modelle (z. B. Delos Cloud) einen laut Anbieterkommunikation BSI-gesicherten Update-Kanal vorsieht, gibt es bei Google Workspace by STACKIT keine öffentlichen Hinweise auf eine eigene Update-Verteilung¹. Wahrscheinlich liefert Google die Updates weiterhin, die dann von STACKIT integriert und gegebenenfalls geprüft werden.

Unabhängig vom Anbieter gilt: Die enge Taktung von Updates erfordert zusätzliche organisatorische und technische Prozesse, die souveräne Szenarien komplexer machen.

openDesk: souveräne Kollaborationslösung auf Open-Source-Basis

Mit openDesk entsteht erstmals eine offene Kollaborationssuite für den öffentlichen Sektor. Das Projekt – initiiert vom Bundesinnenministerium und heute vom ZenDiS koordiniert – bündelt Open-Source-Komponenten wie Nextcloud, Collabora, OpenProject, Matrix/Element oder Open-Xchange in einer gemeinsamen Oberfläche.

Damit deckt openDesk zentrale Funktionen wie E-Mail, Kalender, Chat, Videokonferenzen, gemeinsame Dokumentbearbeitung und Projektmanagement ab. Auch grundlegende Sicherheitsfunktionen wie Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA), Verschlüsselung und Identity-Management sind enthalten.

Allerdings befindet sich openDesk noch im Aufbau. Einschränkungen gibt es bei komplexen Dokumenten, tiefer Integration mit Fachverfahren und erweiterten Security-Features. Zudem gilt wie bei Open Source allgemein: Betrieb, Support und Weiterentwicklung erfordern zusätzliche Verantwortung.

Dennoch ist openDesk die derzeit spannendste Option, um sich perspektivisch zu einer souveränen Komplettlösung jenseits von Microsoft oder Google zu entwickeln.

LibreOffice: offen und unabhängig

Dann wäre da noch LibreOffice. Open Source, keine Lizenzkosten, unabhängig von großen Konzernen. Für Textverarbeitung, Tabellen und Präsentationen absolut tauglich und auf Basis offener Standards.

Interessant: Das Land Schleswig-Holstein hat mit einem Kabinettsbeschluss den Umstieg von Microsoft Office auf LibreOffice für seine Landesverwaltung beschlossen und setzt damit bewusst auf mehr digitale Unabhängigkeit von US-Tech⁸. Ob sich diese Lösung langfristig durchsetzt, wird sich zeigen. Erfahrungsberichte aus der Verwaltungspraxis werden spannend sein.

In der Praxis stößt man jedoch schnell an Grenzen: Kompatibilitätsprobleme mit Microsoft-Dateien, fehlende Kollaborationsfunktionen und kein integriertes Security-Ökosystem wie bei Microsoft 365. Somit ist LibreOffice für Standardfälle geeignet, aber als Komplettlösung nicht ausreichend.

Fazit: Kein Arbeitsplatz von der Stange

Den souveränen digitalen Arbeitsplatz gibt es nicht als fertiges Paket. Microsoft 365 bleibt stark, wirft aber Souveränitätsfragen auf. Gleichzeitig punktet es mit einem umfassenden Security- und Governance-Ökosystem, das weit über Basisfunktionen hinausgeht. Mit Microsoft 365 Local deutet sich zwar ein Schritt in Richtung mehr Kontrolle an, allerdings mit funktionalen Einschränkungen. Die Delos Cloud legt in puncto Souveränität noch einmal nach: vollständig entkoppelt, in Deutschland betrieben und mit laut Anbieterkommunikation BSI-gesichertem Update-Kanal.

Google Workspace by STACKIT zeigt, dass auch US-Anbieter souverän betrieben werden können, bringt aber operative Hürden mit sich. Da Updates voraussichtlich weiterhin über Google ausgeliefert werden, ist eine vollständige Kontrolle schwer erreichbar. LibreOffice bietet Unabhängigkeit und Kostenvorteile, ist aber funktional begrenzt, auch wenn Schleswig-Holstein hier als Vorreiter auftritt.

Mit openDesk hingegen tritt erstmals eine Lösung auf den Plan, die tatsächlich eine ganzheitliche Kollaborationslösung auf Open-Source-Basis für den öffentlichen Sektor sein könnte. Noch nicht perfekt, aber mit großem Potenzial, langfristig zu einem echten Gegengewicht zu Microsoft 365 zu werden. Allerdings ohne dessen tiefgreifendes Security-Portfolio.

Wichtig ist: Das sind nur Beispiele. Der Markt ist in Bewegung, und je nach Organisation, Schutzbedarf und wirtschaftlicher Situation können auch andere Lösungen eine Rolle spielen. In der Praxis entsteht ein souveräner Arbeitsplatz deshalb immer aus der Kombination verschiedener Bausteine, passend zu den eigenen Anforderungen.

Quellenverweis:

¹ Eigene Bewertung auf Basis öffentlicher STACKIT-Kommunikation (Stand 2025).

Verwaltung der Zukunft mit conet

Digitale Verwaltung entfaltet ihren Nutzen erst dann, wenn Prozesse, Daten und Betrieb nahtlos zusammenspielen. Wir verbinden diese Dimensionen zu tragfähigen Lösungen, die unter realen organisatorischen, rechtlichen und technischen Bedingungen funktionieren – nicht nur konzeptionell, sondern im operativen Alltag.

Diesen Beitrag teilen:

Bild: Carlo Kammler

Deine Kontaktperson Carlo Kammler

Senior Consultant

ckammlerconetde

Das könnte Sie auch interessieren