Themen-Special Public Sector: New Work

In unseren Themen-Specials Public Sector informieren wir Sie über aktuelle Aspekte der digitalen Transformation der öffentlichen Verwaltung und unsere Verwaltungsprojekte. Das aktuelle Special hat das Schwerpunktthema New Work, das insbesondere im Zusammenhang mit den Entwicklungen und Lehren der Corona-Pandemie an Bedeutung gewonnen hat. Wir hoffen, dass Ihnen unser neues Format gefällt, in dem wir auch ganz bewusst unsere Spezialisten aus Beratung und Technologie zu Wort kommen lassen.

Die digitale Transformation umfasst alle Lebensbereiche, vor allem aber verändert sie unsere Art zu arbeiten. Unter dem Stichwort New Work werden notwendige Veränderungsschritte hin zu einer zukunftsorientierten Arbeitswelt diskutiert. Dabei ist der Begriff nicht eindeutig definiert. Wir versuchen mit CONET-Expertinnen und Experten etwas Klarheit in den Begriffsdschungel zu bringen:

Unsere Gesprächspartner sind Sina Lorenzen (Consultant Future-/Digital-/Experience Work), Lars Heiermann (Director Digital Workplace Engineering) und Julia Stüttgen (Team Lead digiLab).

 

New Work: Veränderte Arbeitswelten – auch im Public Sector

Frau Lorenzen, was verstehen wir eigentlich unter „New Work“?

New Work ist ein Begriff, der im Moment inflationär gebraucht wird, insofern ist diese Frage sehr berechtigt. Unserer Erfahrung nach versteht jeder Mensch, jede Organisation im Konsortium etwas anderes unter dem Begriff oder reduziert New Work auf einzelne Aspekte wie Obstkörbe oder Kickertische. Es lohnt sich also nicht nur genau nachzufragen, was jeweils unter New Work verstanden wird, sondern auch den Bedeutungsraum für die eigene Organisation zu verstehen, zu definieren und Rahmenbedingungen abzustecken New Work ist jedenfalls mehr als Homeoffice, ein Casual Outfit und hierarchieübergreifendes Duzen.

Wie definiert CONET New Work?

Homeoffice vor dem LaptopWir haben ein umfassendes Beratungspaket zum Thema „Neue Arbeitswelten“ erarbeitet. New Work verstehen wir in einem umfassenden Kontext als Dreiklang aus Menschen, Organisation und Technik. Alle drei Faktoren müssen für dieses Verständnis von New Work berücksichtigt werden, denn jeder einzelne Aspekt beeinflusst wechselseitig die beiden anderen Bereiche. Wir können daher nicht einzelne Aspekte herausgreifen und sie isoliert betrachten.

New Work bedeutet, dass Menschen die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien in ihrer Arbeit umfassend nutzen und dabei über ihre Organisation, ihre Führungsstrukturen, ihre Arbeitsplatzgestaltung und im Grunde über ihre gesamte Unternehmenskultur reflektieren müssen. Dies ist ein komplexer Prozess, den aber jeder, der am Markt auf Dauer bestehen will, durchlaufen muss. Es ist auf der einen Seite also die Betrachtung einer neuen Haltung gegenüber der Erwerbstätigkeit und auf der anderen Seite die Anpassung von Organisationsstrukturen.

Haben Ihre Kunden die gleiche Sicht auf New Work?

Interessanterweise sehen viele New Work noch als ein Technologie-Projekt. Arbeitsplätze sollen remote-fähig, Prozesse medienbruchfrei digitalisiert und Datenschutz und Datensicherheit gewährleistet sein. Das ist ein sehr verkürzter Ansatz und das arbeiten wir mit unseren Kunden sehr schnell heraus. Die Bereitschaft, neu zu denken, eröffnet sich schnell, wenn Herausforderungen wie die Dauer der Stellenbesetzungen, das Employer Branding und deren Einfluss auf die Retention Rate oder die Innovationsgeschwindigkeit als nur einige der wichtigen Parameter näher betrachtet werden.

Können Sie für die Chancen durch New-Work-Ansätze ein praktisches Beispiel geben?

Nehmen wir ein Beispiel aus unserer konkreten Praxis: Ein Kunde hatte durch umfassende Möglichkeit von Homeoffice durch ein Clean-Desk-Konzept die feste Zuordnung von Mitarbeitenden zu einem stationären Büro-Arbeitsplatz aufgegeben. Neben flexibel buchbaren stationären Arbeitsplätzen wurden aber auch neue Arbeitsplatztypen eingerichtet wie etwa Kreativräume, Ruhezonen, Telefonräume, Teamräume und vieles mehr.

Dieser Kunde hat das Thema New Work unter dem Aspekt einer neuen Raumnutzung betrachtet. Diese neuen Möglichkeiten, klassischen Büroraum anders zu nutzen, bergen große Chancen. Wir konnten aber sehr schnell herausarbeiten, dass damit wesentliche Fragen einhergehen, für die der Kunde überhaupt keine Antwort hatte, da er sich diese Fragen gar nicht gestellt hat. Zum Beispiel:

  • Welcher Anteil der Arbeitszeit soll für kreative, innovative Zeiten eingeräumt werden?
  • Gelten die Kreativzeiten für alle Beschäftigten oder nur für bestimmte Fachbereiche oder Hierarchiestufen?
  • Ist die Teilnahme an diesem Modell freiwillig oder gelten die Kreativzeiten obligatorisch für bestimmte Stellen?
  • Was soll in den kreativen Arbeitszeiten erarbeitet werden, wer definiert die Aufgaben und wie wird das Ergebnis gemessen?
  • Wie werden die kreativen Arbeitszeiten, die für die „Routine-Arbeitsprozesse“ nicht mehr zur Verfügung stehen, kompensiert?

Veranlasst durch ein Raum-Nutzungskonzept ist ein umfassender Diskussions- und Reflexionsprozess in Gang gesetzt worden. Und dieser Prozess betraf alle Beschäftigten, von der Sachbearbeitung bis zur Leitung des Hauses. Ich brauche nicht zu betonen, dass auch der Personalrat und andere Vertretungen in ein solches Projekt umfassend einzubeziehen sind. Dabei ergeben sich spannende Diskussionen, die dem Projekt guttun. Wesentlicher Grundgedanke unserer CONET-Methode Work & Experience ist: die Betroffenen zu Beteiligten machen.
Transformationsbegleitung ist der Schlüssel zum langfristigen Erfolg.

Wie greifen Sie dem Kunden beim Thema Work & Experience unter die Arme?

Wir haben ein umfassendes Konzept Work & Experience erarbeitet. Eine Methodik, die unserem interdisziplinären Verständnis von New Work entspricht und dem Kunden eine ganzheitliche Antwort auf die jeweiligen prioritären Handlungsfelder eröffnet. Wichtig dabei: Kein New-Work-Projekt gleicht dem anderen. Dafür sind die Organisationen, deren Arbeitsprozesse und die Menschen zu unterschiedlich. In der Regel starten wir daher mit einem Workshop, in dem wir die grundsätzlichen Ziele des Kunden versuchen zu verstehen und mit ihm gemeinsam die Antworten erarbeiten, die eine erfolgreiche Umsetzung von New Work erlauben.

Wie vorbereitet sind Ihre Kunden auf Themen wie New Work oder Work & Experience?

Das ist sehr unterschiedlich. Wir haben Kunden aus der Privatwirtschaft sowie der öffentlichen Verwaltung. Wir bemerken überall ein großes Bedürfnis, sich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Gleichzeitig sind die Rahmenbedingungen aber auch sehr unterschiedlich. Eine privatwirtschaftliche Organisation folgt anderen Regeln als eine öffentliche Verwaltung, die sehr stark durch Verordnungen, Gesetze und andere normative Rahmenbedingungen beeinflusst wird. Gleichzeitig bietet die öffentliche Verwaltung in der Regel als „Monopolist“ Produkte an, die jedem Bürger und jeder Bürgerin zugänglich sein müssen. Digitale Teilhabe spielt in der öffentlichen Verwaltung eine viel größere Rolle als etwa in der Privatwirtschaft.

Und wie reagieren die Führungskräfte auf Ihren Ansatz von New Work?

Die Frage lässt sich so pauschal nicht beantworten. Viele jüngere Führungskräfte, aber interessanterweise auch ältere Führungskräfte in der öffentlichen Verwaltung haben intensiv über ihr Führungsverständnis nachgedacht. Wir haben für diese Zielgruppe ein eigenes Coaching- und Schulungskonzept entwickelt, damit Führungskräfte ihre Führungsfähigkeit im digitalen Arbeitsraum noch einmal mit unseren Expertinnen und Experten reflektieren können.

Dabei ist die öffentliche Verwaltung vor besondere Herausforderungen gestellt: Das klassische Verwaltungsparadigma, das sehr stark auf Hierarchie und Kontrolle basiert, ist in den vergangenen 15 Jahren einem differenzierteren Bild gewichen. Hier hat sich also schon viel getan, aber manche Fragen stellen sich in Bezug auf die „Digitale Transformation“ neu – und darauf zielt unser Angebot ab.

 

RoomBook App: Steuerung flexibler Arbeitskonzepte und moderner Arbeitsplätze

Herr Heiermann, CONET hat eine RoomBook-App entwickelt. Wie kam es zu dieser Entwicklung?

Wir hatten bei CONET das Bedürfnis, unsere Raumnutzung den sich auch bei uns wandelnden Bedürfnissen der Beschäftigten anzupassen. In den vergangenen Jahren ist CONET personell sehr stark gewachsen und wir standen vor der Herausforderung, nicht mehr jedem Beschäftigten in unseren Büroräumen einen persönlich zugeordneten, festen Arbeitsplatz anbieten zu können. Gerade unter dem Aspekt des hybriden Arbeitens wollten wir unseren Mitarbeitenden dafür eine geeignete Lösung bieten. Demnächst werden wir in Bonn am Neuen Kanzlerplatz ein großes neues Bürogebäude beziehen und auch dort wird nicht mehr jeder Beschäftigte einen persönlichen Arbeitsplatz erhalten. Es stellte sich also die Frage, wie wir unsere Clean-Desk-Policy umsetzen wollten.

Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf den Bedarf zur Unterstützung flexibleren Arbeitens?

Die Corona-Pandemie hat den Handlungsbedarf noch einmal verschärft. Der größte Teil unserer Beschäftigten hat in der Hochphase der Pandemie im Homeoffice gearbeitet. Übrigens waren wir hier besser aufgestellt als viele unserer Kunden. Eine Remote-Arbeitsfähigkeit unter allen Datenschutz- und Datensicherheitsaspekten war für uns auch vor der Corona-Pandemie schon selbstverständlich. Die Möglichkeiten, im Homeoffice zu arbeiten, wurden nicht nur von unseren Beschäftigten intensiv wahrgenommen, sondern haben unsere Qualität in Kundenprojekten keineswegs verschlechtert.

In diesem Zusammenhang wollten wir unseren Beschäftigten aber ein modernes Tool anbieten, mit dem sie sich einen freien Arbeitsplatz an unseren verschiedenen Standorten buchen können. Je nach Arbeitsaufgabe mit der zu benötigten Ausstattung im Office, die sie für ihre Arbeitsbewältigung brauchen. Gleichzeitig war uns wichtig, unternehmensweit Transparenz darüber zu erzeugen, wo eine Person gerade arbeitet.

Warum eine App für die Raum-Buchung?

Raum-Buchungssysteme gibt es natürlich viele, oft „selbst gestrickte“ Lösungen. Wir wollten unseren Beschäftigten aber eine moderne, auf mobilen Endgeräten verfügbare und benutzerfreundliche Möglichkeit anbieten. Unsere Kolleginnen und Kollegen haben natürlich höhere Ansprüche an unsere IT-Umgebung als in manch anderen Unternehmen. Umständliche Buchungssysteme mindern die Akzeptanz eines Clear-Desk-Konzepts, das ohnehin bei einigen Beschäftigten einen gewissen Gewöhnungsprozess erfordert. Spannend war für uns, dass sich viele Kunden, gerade aus der öffentlichen Verwaltung, für unsere App interessierten. Aus einer ursprünglich für CONET entwickelten Lösung ist inzwischen ein veritables Produkt geworden.

Welche Bedeutung hat die RoomBook-App denn im Kontext von New Work?

Mobiles Arbeiten: Mann schaut aus dem Fenster

Die feste Zuordnung von einer Person zu einem festen Arbeitsplatz wird in allen Branchen zunehmend aufgegeben. Wichtig ist, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einer Organisation schnell, benutzerfreundlich, mobil und transparent einen Arbeitsplatz wählen können.

Bei der Umsetzung eines New-Work-Konzepts stehen neben dem klassischen Büroarbeitsplatz neue Arbeitsplatztypen zur Verfügung, die ebenfalls verwaltet werden müssen. Hierzu zählen zum Beispiel Kreativräume, Besprechungsräume mit einer bestimmten technischen Ausstattung, Lounges und weitere.

Neben der Frage der Raumnutzung ergeben sich aber schnell Handlungsfelder wie Führungskultur, organisationsinterne Kommunikation oder die kommunikativen und sozialen Bedürfnisse der Beschäftigten. Daher geht unsere App mit ihren Features über das bloße Buchen eines Raumes deutlich hinaus.

Viele Ihrer Kunden sind aus dem Bereich der öffentlichen Verwaltung. Spielen Themen wie New Work und neue Arbeitsplatzkonzepte in diesem Kundenkreis eine Rolle?

Ja, unbedingt. Wir erfahren gerade aus diesem Kundenbereich ein großes Interesse an unserer App, denn für viele Behörden hat sich das Thema „New Work“ durch die Corona- Pandemie völlig neu gestellt. Darüber hinaus sind Büroräume teuer, gerade in den Innenstadtlagen, in denen Behörden ihre Amtssitze unterhalten. Die Bedürfnisse der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung nach Flexibilität bei der Gestaltung von Arbeitszeit und Arbeitsort unterscheiden sich kaum von denen in der Privatwirtschaft. Wenn man es richtig macht, entsteht hier eine echte Win-Win-Situation: Wir verbessern die wirtschaftliche Nutzung der Büroräume und schaffen attraktive Arbeitsumgebungen für die Beschäftigten in hybriden Arbeitswelten

Wie sieht das in der Praxis aus?  Die Mitarbeitenden eines Referates sind also zu unterschiedlichen Zeiten irgendwo im Dienstgebäude oder im Homeoffice oder mobil unterwegs. Wie gehen die Führungskräfte damit um?

Auch hier bietet unsere App viele Möglichkeiten. Wenn der räumliche Zusammenhang für die Arbeit wichtig ist, dann können die Beschäftigten auch zusammenhängende Raumkapazitäten buchen. Die Konfiguration unserer App würde dann entsprechend angepasst. Aber natürlich ist die öffentliche Verwaltung sehr stark von einer Präsenz-Arbeitskultur geprägt. Hier vollzieht sich gerade ein Kulturwandel mit einer großen Dynamik. Die Führungskräfte erleben diese Flexibilisierung persönlich häufig als Gewinn.

Führung in der digitalen Welt setzt nicht mehr die physische Anwesenheit von Führungskräften im Gebäude voraus. Und auch die Führungskräfte wissen zu schätzen, dass sie und ihre Mitarbeitenden nicht jeden Tag viel Lebens- und Arbeitszeit durch die Anreise zum stationären Arbeitsplatz verlieren. Es ergeben sich mit unserer App aber auch ganz praktische Vorteile: Wenn ich frei entscheiden kann, an welchem Tag ich im Büro sein möchte, kann es wichtig sein, ob an einem gewünschten Präsenztag ein Parkplatz für mich zur Verfügung stehen würde. Auch hier schafft unsere App Transparenz.

Wir erleben, dass mit unserer RoomBook-App häufig der Einstieg in eine umfassende Diskussion zu New Work mit dem Kunden beginnt. Viele der angesprochenen Fragen haben mit den technischen Funktionalitäten der App nur am Rande zu tun. CONET hat ein umfassendes Verständnis von New Work entwickelt und für alle Fragen ein entsprechendes Unterstützungsangebot für unsere Kunden.

 

Veränderte Führungskultur im öffentlichen Sektor

Frau Stüttgen, wie hat sich aus Ihrer Sicht im Kontext von New Work das Thema „Führung“ verändert?

Unsere Vorstellung von Führung ändert sich nicht nur durch die Digitale Transformation, sondern wir erleben bei vielen jüngeren Beschäftigten einen Wertewandel, der auch das Thema Führung betrifft.

Gerade viele jüngere Beschäftigte erleben die Arbeit als einen Raum für Selbstverwirklichung und Sinnstiftung. Während noch vor 20 Jahren die klassischen Kriterien wie Gehalt oder Dienstwagen für viele Bewerbungen entscheidend war, erleben wir heute, dass gerade jüngere Menschen selbstbestimmt, eigenverantwortlich in einem sozialen Kontext arbeiten wollen. Das hat erhebliche Konsequenzen auf die Führungskultur und auch die Anforderungen an Führungskräfte.

Bedeutet dies, dass wir für New Work einen anderen Typ Führungskraft benötigen? Also benötigen wir heute eine andere Führungskraft als früher?

Es ist ja nicht so, dass sich Verständnis von Führung in der öffentlichen Verwaltung erst jetzt ändert. In den vergangenen Jahren ist bereits viel passiert. Während früher „Führen“ sich dadurch ausdrückte, dass Vorgesetzte zum Teil bis in die Details die Arbeit der Mitarbeitenden kontrollierten und detailliert steuerten, steht heute das Thema Kreativität und Eigenverantwortung im Mittelpunkt. Ich habe dafür auch einen interessanten Beleg: Die Gemeinsame Geschäftsordnung der Bundesministerien (GGO) formuliert zum Beispiel:

§ 11: Vorgesetzte beteiligen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen ihres jeweiligen Verantwortungsbereichs an den Entscheidungen, die in der Organisationseinheit anfallen. Sie fördern den Leistungswillen, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit und zur Übernahme von Verantwortung sowie die Kreativität der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Dieser Abschnitt befindet sich übrigens schon seit dem Jahr 2000 in der GGO und ich finde, dass sich hier ein sehr modernes Verständnis von Führung oder besser noch „Leadership“ zeigt.

Unsere Erfahrung ist: Die digitale Transformation verstärkt und beschleunigt die Veränderung von Führungskräften und Mitarbeitenden. Gleichzeitig sind heute sicherlich noch andere Führungsmechanismen erforderlich, beispielsweise in einer Behörde wie etwa der Leistungsverwaltung, die noch oft papiergebunden arbeitet und durch eine ausgeprägte Präsenzkultur geprägt ist. Heutzutage können Vorgesetzte nicht ohne weiteres ad hoc eine Referatsbesprechung ansetzen, bei der alle Teilnehmenden in einem Raum physisch zusammenkommen.

Wir benötigen daher nicht nur andere Führungsmechanismen, sondern auch eine andere Ausstattung von Arbeitsplätzen und Besprechungsräumen, damit auch zugeschaltete Teilnehmer sich an einem kollaborativen Prozess beteiligen können. CONET kann diesen Veränderungsprozess begleiten, aber am Ende benötigt man ein Gesamtkonzept, das zur jeweiligen Behörde passt. Hierbei spielen die Führungskräfte und Beschäftigten eine Schlüsselrolle. Unser Credo ist: Betroffene müssen zu Beteiligten werden.

Die Erwartungen der Beschäftigten an ihren Arbeitgeber wandeln sich ständig. Welche Entwicklungen beobachten Sie?

Diese Frage ist sehr komplex und lässt sich in wenigen Sätzen kaum beantworten. Trotzdem will ich versuchen, die wesentlichen Veränderungstendenzen anzureißen:

Beschäftigte, die sich heute für einen Arbeitgeber entscheiden, erwarten eine moderne Arbeitsumgebung. Die technische Ausstattung, die Verfügbarkeit der Arbeitsumgebung auf mobilen Endgeräten, digitalisierte medienbruchfreie Prozesse müssen sich mit den Standards messen, wie die Beschäftigten sie aus ihrem Privatleben kennen. Gerade junge Menschen möchten nicht in ein Technikmuseum gehen, wenn sie ihren Arbeitsplatz aufsuchen.

Frau und Mann betrachten stehend NotebookDas Thema Eigenverantwortung und Sinnstiftung hatten wir schon angesprochen. Hier sind unsere Kunden der öffentlichen Verwaltung, was das Employer Branding angeht, klar im Vorteil.  Die Verwaltung dient der Gesellschaft. Ein Mensch, der dort arbeitet, hilft, dass unsere Gesellschaft ein Stück besser, lebenswerter wird. Wenn man die Selbstdarstellungen der Behörden als Arbeitgeber in den jüngsten Jahren beobachtet hat, kann man bemerken, dass die öffentliche Verwaltung sich als Arbeitgebergeber gerade neu erfindet.

Gleichzeitig ist mit einer zunehmenden Flexibilisierung von Arbeitszeit, Arbeitsort und dem veränderten Verhältnis von Freizeit und Arbeit ein Bedürfnis nach sozialer Interaktion gewachsen. Diesen sozialen Bedürfnissen muss durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen entsprochen werden und dies ist nicht zuletzt eine Aufgabe der Führungskraft. Wenn sich Beschäftigte nicht mehr alle zur selben Zeit an einem festen, persönlichen Arbeitsplatz befinden, fehlen die soziale Interaktion und die sehr wichtige informelle Kommunikation. Man trifft sich nicht zufällig in der Kaffeeküche, auf dem Flur oder kann sich nicht unkompliziert in der Kantine zum Mittagessen verabreden.

Gerade diese informelle Kommunikation ist aber wichtig. Das Bedürfnis nach sozialer Interaktion in der persönlichen Begegnung ist für das Wohlbefinden von Menschen entscheidend. Daher müssen die Führungskräfte in der digitalen Welt solche Interaktionsräume eröffnen. Hierauf achten Beschäftigte, wenn sie sich für einen Arbeitgeber entscheiden.

Wie bewerten Sie den Unterschied zwischen öffentlicher Verwaltung und Privatwirtschaft im Kontext von New Work?

Interessanterweise ist der Unterschied geringer, als man denken könnte. Die Bedürfnisse der Beschäftigten in der Verwaltung und in der Privatwirtschaft unterscheiden sich unserer Erfahrung nach nicht wesentlich. Ein Unterschied ist aber gravierend: Die öffentliche Verwaltung ist an Regeln und Gesetze gebunden. Vieles was möglich und wirtschaftlich vielleicht sogar wünschenswert wäre, kann nicht umgesetzt werden.

Könnten Sie für die speziellen Rahmenbedingungen für New Work im Public Sector ein Beispiel geben?

Behördliche Leistungen müssen für jeden Menschen erreichbar sein und bleiben, und zwar unabhängig von den Zugängen. Während viele Privatunternehmen ihre Produkte nur noch online anbieten, keine Geschäftsstellen mehr unterhalten und eine persönliche Vorsprache allenfalls über ein Call Center möglich ist, müssen behördliche Leistungen auch für solche Menschen zugänglich sein, die nicht über eine IT-Ausstattung verfügen, die auf barrierefreie Zugänge angewiesen sind, oder diese Anliegen einfach mündlich vorbringen wollen. Die Justiz eröffnet zum Beispiel jedem die Möglichkeit, in der Geschäftsstelle eines Gerichts persönlich vorzusprechen und dort einen Antrag zur Niederschrift durch einen Urkundsbeamten zu stellen. Das wird auch in Zukunft möglich sein müssen. Ein Privatunternehmen kann hingegen die Entscheidung treffen, auf bestimmte Kundengruppen bewusst zu verzichten.

Ist New Work also auch für die Verwaltung auch ein Zukunftsthema?

Selbstverständlich, ich denke sogar, es ist ein Gegenwartsthema. Wir bemerken schon heute, dass gerade in den Ballungszentren der viel beschworene War of Talents in vollem Gange ist. Die öffentliche Verwaltung konkurriert also mit Unternehmen, die gut bezahlen, moderne und flexible Arbeitsumgebung anbieten und daher für viele Beschäftigte durchaus attraktiv sind. Das haben unsere Behördenkunden aber auch erkannt und daher ändert sich gerade in der Verwaltung unglaublich viel.

Allerdings können Konzepte von New Work aus der Privatwirtschaft nicht unreflektiert auf die öffentliche Verwaltung übertragen werden.  Die von mir schon angesprochenen rechtlichen und organisatorischen Rahmenbedingungen müssen bei der Umsetzung von New Work in Behörden unbedingt berücksichtigt werden. Deshalb haben wir bei CONET mit Work & Experience ein umfassendes Beratungsangebot gerade für unsere Kunden aus der öffentlichen Verwaltung entwickelt, das auch großes Interesse findet.

 

Vielen Dank an unsere Interview-Partner für das interessante Gespräch!

CONET und der Public Sector: Gemeinsam gestalten wir das digitale Deutschland!

Mehr über die Chancen von New-Work-Konzepten erfahren?
Die RoomBook App von CONET live erleben?
Neue Führungskulturen kennenlernen?

Sprechen Sie unsere Experten Sina Lorenzen, Lars Heiermann und Julia Stüttgen gerne direkt an – wir freuen uns darauf, gemeinsam mit Ihnen die Zukunftsfähigkeit, Zusammenarbeit und Effizienz einer leistungsstarken Verwaltung der Zukunft zu sichern!

Public Sector Portfolio

 

Diskutieren Sie mit CONET auf dem 23. ÖV-Symposium im August in Düsseldorf

Die Public-Sector-Profis von CONET diskutieren und informieren beim größten Behördentreffen in NRW über die digitale Verwaltung der Zukunft. Auch beim ÖV-Symposium legt CONET einen bewussten Schwerpunkt auf die technischen und menschlichen Aspekte veränderter Arbeitsmodelle unter dem Schlagwort New Work sowie die Unterstützung der modernen Verwaltung durch Chat- und Voice Bots.

23. ÖV-Symposium NRW
Wann: Mittwoch, 24. August 2022
Wo: CCD Congress Center Düssedorf
Weitere InformationenCONET auf dem ÖV-Symposium

 

War dieser Artikel hilfreich für Sie? Oder haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns einen Kommentar oder rufen Sie uns gerne an.

Über den Autor

Director Sales Public | Beiträge

Rainer Heßler begleitet als Director Sales Public die CONET-Kunden aus den Bereichen der Landes-, Bundes- und Kommunalbehörden und weitere Einrichtungen der öffentlichen Hand bei der Auswahl, Implementierung und Betreuung moderner IT- und Managementlösungen für die Arbeit der öffentlichen Verwaltung.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.