Review SAP Lumira 2.0

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  • 7. November 2017

Vor knapp einem Jahr gab es die ersten Informationen zu SAP Lumira 2.0 und der Zusammenlegung der zwei Frontend-Werkzeuge SAP Lumira und SAP Design Studio im Bereich Self Service Business Intelligence und Dashboard-Entwicklung. Die Informationen sorgten damals für Verwirrung und Unsicherheit unter Beratern und Anwendern. Das Business Intelligence (BI) Team von CONET hat sich seit dem Release von SAP Lumira 2.0 im August 2017 intensiv und kritisch mit der neuen Version auseinandergesetzt und gibt in diesem Artikel Antworten auf die wesentlichen Fragen rund um die Neueinführung von SAP Lumira 2.0.

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Die zwei BI-Werkzeuge von SAP Lumira 2.0

Die Zusammenlegung von Lumira und Design Studio erfolgt im Zuge der Konvergenz von BI-Werkzeugen der SAP. Das daraus resultierende SAP Lumira 2.0 wird von SAP als einziges Werkzeug der Kategorie „Data Discovery & Application“ in ihrem BI-Produktportfolio positioniert, auch wenn es sich hierbei immer noch um zwei Clients handelt. Die Trennung in zwei Werkzeuge wird in SAP Lumira 2.0 beibehalten. Die Werkzeuge heißen nun SAP Lumira Discovery und SAP Lumira Designer. SAP Lumira Discovery ist das Pendant von SAP Lumira Desktop 1.x, SAP Lumira Designer ist der neue Name von Design Studio.

SAP Lumira Discovery bleibt ein simples, benutzerfreundliches und intuitives Werkzeug für Self Service BI und Data Discovery, obwohl hier ein größerer Unterschied zur Vorgängerversion als bei SAP Lumira Designer besteht. Mit dem Werkzeug können Fachanwender auf Daten verschiedener Quellen zugreifen, diese direkt im Werkzeug verknüpfen und ohne Programmieraufwand in Stories visualisieren.

SAP Lumira Designer legt wie auch schon Design Studio den Fokus auf die Erstellung von unternehmensweiten, standardisierten Dashboards und Berichten. Mit seinen vielfältigen Skripting-Möglichkeiten bleibt SAP Lumira Designer ein Werkzeug für IT-Anwender mit Programmierkenntnissen.

Trotz der beibehaltenen Trennung in zwei Installationen teilen die beiden Werkzeuge nun die zugrundeliegenden Technologien: Die Werkzeuge erzeugen Lumira-Dokumente im Dateiformat .lumx, haben die gleichen Laufzeitkomponenten (Data Source, Textfelder, Info-Chart und Cross Tab) und werden von nur einem Server der BI-Plattform verwaltet. Aus administrativer Sicht findet in der neuen Version also eine Vereinfachung statt, da man Server-seitig nur noch ein Add-on installieren und aktuell halten müssen (vorausgesetzt, man hatte vorher auch beide Software-Komponenten im Einsatz). Diese gemeinsame Grundlage ermöglicht die Interoperabilität zwischen beiden Werkzeugen und schafft den Weg für viele integrierte Anwendungsfälle, die es in früheren Versionen nicht gab.

Beispielweise können Fachanwender jetzt aktiv an der Entwicklung von Standard-Dashboards und
-Berichten mitwirken, indem sie mit SAP Lumira Discovery die Entwürfe in Form von Stories erstellen. Dies ist besonders sinnvoll, wenn die Fachanwender ihre Daten kennen und sinnvolle Abfragen erstellen können. IT-Anwender greifen dann auf die Entwürfe mit SAP Lumira Designer zu, können diese auf das Corporate Design ihrer Firma anpassen und zusätzliche Logiken und Funktionalitäten ergänzen (beispielweise mit BIAL-Scripts). Auch Entdeckungen von Datenanalysten, die in Stories visualisiert werden, lassen sich über diesen Weg zu Standard-Dashboards oder -Berichten mit umfangreicher Dynamik und Flexibilität transformieren. Die aktive Beteiligung der Fachanwender an der Entwicklung von analytischen Anwendungen hat außerdem weitere Vorteile: Die Entwicklungszeit wird verkürzt und die Akzeptanz der Lösung bei Endanwendern erhöht.

SAP Lumira 2.0 – Ja oder Nein?

Mit SAP Lumira 2.0 ist SAP der erste Schritt gelungen, die Werkzeuge zusammenzulegen und einen großen Fortschritt in Bezug auf die Konvergenz der Werkzeuge in ihrem BI-Produktportfolio zu machen. SAP Lumira Discovery und SAP Lumira Designer bleiben trotz der Zusammenlegung separate Werkzeuge mit getrennten Zielgruppen, was aus unserer Sicht gut ist. SAP Lumira Discovery bleibt ein einfaches Self Service BI und Data Discovery Tool für Fachanwender, während SAP Lumira Designer weiterhin den Fokus auf IT-Anwender und professionelle analytische Anwendungen legt.

Obwohl die Interoperabilität vorerst nur in eine Richtung funktioniert (SAP Lumira Discovery zu SAP Lumira Designer), gibt es bereits Hinweise, dass die andere Richtung von Designer zu Discovery bald implementiert wird. Die Interoperabilität der beiden Werkzeuge und die dadurch geschaffenen integrierten Anwendungsfälle erhöhen die Attraktivität von SAP Lumira 2.0 als ein ganzes Produktpaket, besonders für Kunden, die sowohl Discovery als auch Designer einsetzen und einen großen Wert auf die Interoperabilität der beiden Werkzeuge legen.

Betrachtet man die Werkzeuge einzeln, hat SAP Lumira Discovery einen großen Umbruch im Vergleich zu SAP Lumira Desktop 1.x erlebt. Zwar muss man sich an die neue Version erst einmal gewöhnen, dies sollte durch die neue intuitive Oberfläche jedoch schnell erfolgen. Die Funktionalitäten von SAP Lumira Discovery wurden in einigen Bereichen verbessert. Jedoch sind in vielen anderen Bereichen noch Nacharbeiten nötig, was unserer Meinung nach den Nutzen von SAP Lumira Discovery in dieser Version überschatten könnte. Kunden, die bisher nur SAP Lumira Desktop ohne Design Studio eingesetzt und viele Stories entwickelt haben, empfehlen wir, den Umstieg auf SAP Lumira 2.0 zu verschieben, bis eine ausgereifte Version verfügbar ist.

Design Studio bekommt durch den Aufstieg auf SAP Lumira Designer viele neue Funktionalitäten, die seine Position als ein umfangreiches Werkzeug zur Entwicklung von BI-Anwendungen stärken. Da die Migration von alten Design-Studio-Anwendungen sich als unkompliziert erweist, empfehlen wir den Umstieg auf SAP Lumira Designer für Kunden, die bisher nur Design Studio im Einsatz haben. Jedoch sollten sie vorsichtig bei der Migration von alten Anwendungen sein, die in der common-Library entwickelt worden oder Extensions verwenden. Hier ist auf den richtigen Patch-Stand der BI-Plattform zu achten, damit die neuen Anwendungen von der Hochstufverwaltung und dem Übersetzungsmanagement-Tool unterstützt werden.

SAP Lumira Discovery im Detail

SAP Lumira Discovery bekommt mit dem Release 2.0 eine Generalüberholung in Bezug auf die Benutzeroberfläche. Das bisherige Wechseln zwischen den Reitern zur Datenaufbereitung, Visualisierung einzelner Komponenten und Zusammenführung der Komponenten in eine Story wird nun in einer Benutzeroberfläche konsolidiert. Dadurch entsteht ein neuer, einfacherer Arbeitsfluss. Einige Anwender der alten Versionen werden jedoch, wie wir meinen, diese Arbeitsweise und die neue Benutzeroberfläche als sehr ungewohnt empfinden. Die alte Logik war gut in Schulungen zu vermitteln, da man sich Schritt für Schritt dem Endergebnis näherte, während man nun alles auf einen Blick hat. Jedoch ist die neue Oberfläche intuitiv genug, sodass Anwender der Vorversionen sich nach einer kurzen Einweisung schnell wieder zurechtfinden.

Screenshot SAP Lumira Discovery

Die neue Oberfläche von SAP Lumira Discovery

Während in SAP Lumira Desktop 1.x die Live-SAP-BW-Datenquelle über eine Extension nachinstalliert werden musste, bietet SAP Lumira Discovery nun standardmäßig Module für Live-SAP-BW-Datenquellen und Live-SAP-HANA-Datenquellen an.

Live-Datenquellen haben gegenüber Offline-Datenquellen einige Vorteile. Bei der Verwendung von Live-Datenquellen können Daten vor der Visualisierung nicht durch Data Blending geändert werden und werden nicht mit der Story gespeichert. Dadurch werden Daten besser geschützt. Stories, die Live-Datenquellen aus einer von der BI-Plattform administrierten OLAP-Verbindung benutzen, lassen sich nahtlos in SAP Lumira Designer zu Dashboards und Standardberichten transformieren, denn die Live-Datenquellen erscheinen dann in SAP Lumira Designer als Online-Datenquelle und können direkt in die Anwendungen übernommen werden. Weitere Vorteile von Online-Datenquellen sind die Delegation der Berechnungen an SAP BW beziehungsweise SAP HANA und die Unterstützung der Funktionalitäten von BW-Queries (wie zum Beispiel Auswahl von BW-Hierarchie, Anzeigeoption für Kennzahlen und Zusammenführung von Prompts).

In Sachen Visualisierung hat SAP Lumira Discovery deutliche Fortschritte zu verzeichnen. Beispielweise lassen sich Komponenten auf dem Kanvas frei anordnen und die Komponenten können sich nun überlappen. Es gibt mehr Auswahl bei Filtern und Steuerelementen. Darüber hinaus können bedingte Formatierungsregeln für einzelne Data Sets definiert werden, die auf Diagramme und Tabellen wirken. Auch die Bookmark-Funktion wurde überarbeitet und bietet nun Platz für persönliche und globale Bookmarks.

Neben den genannten Neuerungen und Verbesserungen gibt es Aspekte, die aus unserer Sicht nachgebessert werden müssen:

  • Nach Angabe von SAP wurde der PDF-Export überarbeitet. Unsere erste Erfahrung mit SAP Lumira Discovery zeigt das Umgekehrte: Zwar werden nun Texte und Bilder besser gerendert, allerdings werden einige Einstellungen in der Story nicht in den Export übernommen wie zum Beispiel die Transparenz von Hintergrundbildern und die benutzerdefinierte Kanvasgröße.
  • Die Möglichkeit, im Vorschaumodus das Rendering der Stories auf verschiedenen Gerätetypen (Desktop, Tablet und Smartphone) auszuprobieren, ist in dieser Version weggefallen. Diese Funktion wird sicher von Kunden vermisst, die einen großen Wert auf die mobilgerechte Darstellung der Stories legen.
  • Die Mehrsprachigkeit von SAP Lumira Discovery wurde nur unvollständig verbessert, denn die Darstellung von Zahlen im deutschen Format funktioniert nicht zufriedenstellend. Deshalb empfehlen wir, mit SAP Lumira Discovery wie bei der Vorversion nur Stories auf Englisch zu erstellen.

Schließlich sind einige geplante Verbesserungen wie zum Beispiel das responsive Layout in der Story und die gleichzeitige Formatierung von mehreren Komponenten in der ersten Version von SAP Lumira 2.0 noch nicht dabei.

SAP Lumira Designer im Detail

Im Gegensatz zu SAP Lumira Discovery, das seine alte Benutzeroberfläche zugunsten der Konvergenz aufgegeben hat, hat sich die Benutzeroberfläche von SAP Lumira Designer kaum verändert.

SAP Lumira Designer wird nun entweder im Dokumentmodus oder in einem der zwei Legacy-Modi gestartet. Startet man das Werkzeug im Legacy-Modus, kann man alte Design-Studio-Anwendungen (.biapp) auf der BI-Plattform oder auf dem lokalen Rechner bearbeiten, unabhängig davon, ob diese in der SAP-UI5-common- oder m-Library entwickelt worden. Dies erleichtert den Umstieg, denn alte Design-Studio-Anwendungen lassen sich auf der BI-Plattform weiter verwenden und man benötigt keine ältere Design-Studio-Version für die Bearbeitung von alten Anwendungen. Der Dokumentmodus dient der Bearbeitung der neuen Lumira-Dokumente (.lumx) mit den Neuerungen der Version 2.0.

Screenshot SAP Lumira Designer

Benutzeroberfläche von SAP Lumira Designer mit der neuen Document View

Die wichtigste Neuigkeit ist die dokumentzentrierte Arbeitsweise. Statt wie vorher in Design Studio mit einzelnen Anwendungen zu arbeiten, wird ab jetzt nur mit Lumira-Dokumenten gearbeitet. Beim Neuanlegen einer Anwendung muss man zuerst ein Lumira-Dokument und dann die Anwendung innerhalb des Dokuments erstellen. Bei der Bearbeitung eines vorhandenen Lumira-Dokuments, muss man das Dokument von der BI-Plattform herunterladen, im SAP Lumira Designer öffnen und nach der Bearbeitung wieder mit der Plattform synchronisieren. Die neue Dokumentenansicht auf der Benutzeroberfläche von SAP Lumira Designer listet alle heruntergeladenen und lokalen Lumira-Dokumente sowie deren Inhalte auf. Das Lumira-Dokument funktioniert in diesem Sinn als Container für Anwendungen und Dateien, die in dem Dokument verwiesen werden. Auch die neuen wiederverwendbaren Komponenten (sogenannte Composites) werden in Lumira-Dokumenten gespeichert.

Weitere wichtige Neuerungen beziehungsweise Verbesserungen in SAP Lumira Designer sind Adaptive Layout, Bookmark, bedingte Formatierung und Exportfunktion:

Screenshot Dashboard Adaptive Layout

Das Dashboard angezeigt auf einem Tablet und einem Smartphone mit Hilfe von Adaptive Layout

  • Das Adaptive Layout ermöglicht die Entwicklung mobilgerechter Anwendungen ohne aufwendige CSS-Entwicklung. Ein Adaptive Layout besteht aus beliebig vielen Blocks, die keine feste Position in dem Layout haben und ihre relative Breite an die Bildschirmgröße des Endgeräts anpassen. Die Blocks, die nicht in eine Reihe passen, werden umgebrochen und nach unten verlegt. Dadurch bleiben die Blocks und ihre Komponenten selbst bei den kleinen Bildschirmen der Mobilgeräte gut lesbar. Für die responsive Anpassung der Schriftgröße an die Bildschirmgröße muss man sich noch mit CSS-Entwicklung behelfen und dort die Schriftgröße nicht als feste Pixelwerte, sondern als relative Werte definieren.
  • Die Bookmark-Funktion wurde komplett überarbeitet und steht jetzt als technische Komponente zur Verfügung. In einer Anwendung können mehrere Bookmarks definiert werden. In einem Bookmark lassen sich beliebige Zusammensetzungen von Komponenten auswählen, deren Zustände durch das Bookmark zwischengespeichert und bei Bedarf geladen werden.
  • Mit der neuen technischen Komponente zur bedingten Formatierung können nun auch Daten aus HANA und Universen nach Formatierungsregeln hervorgehoben werden, was bislang ein Privileg für Daten aus BW-Queries war. Die bedingten Formatierungsregeln wirken sowohl auf Cross Tabs als auch auf Info-Charts. Allerdings kann man nur Festwerte für die Bedingung verwenden – keine anderen Kennzahlen oder Variablen. Hier muss SAP noch nachbessern, damit die bedingte Formatierung von Lumira 2.0 mindestens den Stand von Web Intelligence erreicht.
  • Die Exportfunktion wurde ebenfalls verbessert. Den Anwendern stehen vier Exportziele zur Verfügung:

    • Analysis for Office (AfO): Die Verbindung mit der Data Source wird in dem AfO-Dokument beibehalten, sodass man in dem AfO-Dokument wie in einem Online-Bericht arbeitet.
    • CSV: Export der Initial View einer Data Source in eine CSV-Datei
    • Excel: Export der Inhalte einer oder mehrerer Cross Tabs in eine Excel-Datei; bei der Auswahl mehrerer Cross Tabs werden die Inhalte der Cross Tabs in separate Excel-Sheets exportiert.
    • PDF: Hier kann man zwischen View (Screenshots des aktuellen Bildschirms), Panel View (Screenshot des gesamten Inhalts eines oder mehrerer Panels) und Report (Inhalt mehrerer Cross Tabs, Charts und Karten in Berichtsform) wählen. Über die Properties der technischen Komponente lassen sich Kopf- und Fußzeile sowie der Anhang des Reports umfangreich definieren.

Neben den großen Fortschritten gibt es in SAP Lumira Designer kleinere aber nützliche Neuerungen wie beispielsweise Tastatur-Shortcuts, benutzerdefinierte Wertehilfe und Skripting-Möglichkeiten mit dem Datum­format.

Verwendung von Composites

Composites sind wiederverwendbare Objekte, die zentral entwickelt und als Komponenten in Anwendungen eingefügt werden können. Typische Anwendungsfälle von Composites sind standardisierte Kacheln sowie Kopf- und Fußzeilenelemente. Composites werden innerhalb von Lumira-Dokumenten gespeichert und in der Dokumentenansicht aufgelistet. Die Composites aller aktuell geöffneten Lumira-Dokumente werden in der Components View zusammen mit allen Standard- und SDK-Komponenten (SDK, Software Development Kit) angezeigt und können einfach aus der Liste ausgewählt und in eine Anwendung eingefügt werden. Über Schnittstellen lassen sich die in der Anwendung bereits eingefügten Komponenten individuell anpassen. Mit Composites ermöglicht SAP Lumira Designer die Entwicklung von kundeneigenen Komponenten, ohne ein SDK zu verwenden.

Screenshot Dashboard Composites

Ein Dashboard mit Kacheln aus Composites

Composites dienen darüber hinaus als das Mittel für die Interoperabilität zwischen SAP Lumira Discovery und SAP Lumira Designer. Stories lassen sich auch in SAP Lumira Designer öffnen und erscheinen in Designer als Composites mit allen Data Sources und Visualisierungen. Diese Composites lassen sich anpassen und in eine SAP-Lumira-Designer-Anwendung hinzufügen oder ihre Data Sources und Visualisierungen in die Anwendung kopieren.

Andersrum sind die von Kunden in SAP Lumira Designer entwickelten Composites als Stories in SAP Lumira Discovery sichtbar. Somit bereitet SAP den Weg für die Verwendung von kundeneigenen Composites in Discovery Stories vor. Allerdings könnte dies zur Verwirrung bei Endanwendern führen, wenn sie nur die Stories in SAP Lumira Discovery ansehen möchten. Hier wäre die Möglichkeit, einzelne Composites für Endanwender unsichtbar einzustellen, wünschenswert.

Migration und Kompatibilität von SAP Lumira 2.0

Nun fragt man sich: Was wird aus alten Lumira-Stories und Design-Studio-Anwendungen und werden alte Extensions noch unterstützt?

Alte Design-Studio-Anwendungen in common- und m-Library bleiben auf der BI-Plattform lauffähig. Zur Bearbeitung von diesen Anwendungen benutzt man SAP Lumira Designer im Legacy-Modus. Um alle neuen Funktionen von SAP Lumira Designer zu nutzen, muss man jedoch die alten Anwendungen migrieren. Die Migration ist für Design-Studio-Anwendungen, die bereits in m-Library sind, unkompliziert: In SAP Lumira Designer wird ein Lumira-Dokument angelegt und die alte Design-Studio-Anwendung in dieses importiert, danach kann das Lumira-Dokument auf die BI-Plattform hochgeladen werden. Probleme können entstehen, wenn die alte Design-Studio-Anwendung Extensions verwendet, die noch nicht in SAP Lumira Designer nachinstalliert worden. Alte Design-Studio-Anwendungen in der common-Library müssen mit dem SAP Lumira Designer im Legacy-Modus geöffnet und auf die m-Library migriert werden, bevor die Anwendung in das neue Format importiert werden kann.

Da die zugrundeliegende Technologie von Design Studio bei dem Umstieg auf SAP Lumira Designer sich kaum geändert hat, ist SAP Lumira Designer grundsätzlich mit Extensions von Vorversionen kompatibel. Community-Komponenten sowie beispielsweise graphomate Extensions für Design Studio 1.6 lassen sich in SAP Lumira Designer (zumindest in dem Release-Stand 2.0 SP2) und auch auf der BI-Plattform installieren. Eigenentwickelte Extensions für Design Studio dürften daher weiterhin problemlos in SAP Lumira Designer funktionieren. Trotzdem raten wir zur Vorsicht bei der Migration von Anwendungen mit Extensions. Testen Sie nach der Migration die Funktionalitäten und visuelle Erscheinung gründlich, bevor Sie die Anwendungen für die Endnutzer freigeben.

Alte SAP-Lumira-1.x-Stories müssen komplett migriert werden, denn das alte Dateiformat .lums wird nicht mehr verwendet. Dafür hat SAP im August 2017 das SAP Lumira Desktop 1.31 Patch 8 ausgerollt. Die im Patch 8 nachgerüstete Funktion „Save for Migration“ ermöglicht die Speicherung der Stories im Migration-Ready-Modus. Nur zur Migration gespeicherte Stories sind im SAP Lumira Discovery sichtbar. Beim Öffnen und Speichern dieser Stories in SAP Lumira Discovery werden sie in Lumira-Dokumente im dem neuen Dateiformat .lumx konvertiert.

Insgesamt ist die Migration von alten Lumira-Stories und Design-Studio-Anwendungen auf SAP Lumira 2.0 einfacher als erwartet. Die einzige Schwierigkeit haben wir bei der Konvertierung von Design-Studio-Anwendungen von der common-Library auf die m-Library bemerkt, da einige Komponenten und Einstellungen der common-Library nicht mehr von der m-Library unterstützt werden.

Unterstützung der BI-Plattform

Grundsätzlich unterstützt die Business-Intelligence-Plattform von SAP BusinessObjects die neuen SAP-Lumira-2.0-Dokumente. Bei der Hochstufverwaltung und dem Übersetzungsmanagement muss allerdings auf den korrekten Release-Stand der BI-Plattform und der Client Tools geachtet werden.

Die Hochstufverwaltung der BI-Plattform unterstützt ab der Version 4.2 SP4 Patch 1 Lumira-Dokumente. Dabei entdeckt die Abhängigkeitsüberprüfung alle Abhängigkeiten zwischen Lumira-Dokumenten, auch wenn ein Dokument auf Composites von anderen Dokumenten verweist. Dadurch lassen sich sowohl die referenzierenden als auch die referenzierten Dokumente in den Hochstufungsauftrag hinzugefügt und gemeinsam transportiert werden.

Das Übersetzungsmanagement-Tool kann erst ab der Version 4.2 SP4 Patch 3 Lumira-Dokumente erkennen und Designer-Anwendungen sowie Composites innerhalb der Dokumente übersetzen. Lumira-Discovery-Stories müssen zuerst in SAP Lumira Designer angepasst und gespeichert werden, erst dann können sie von dem Übersetzungsmanagement-Tool als Composites erkannt und übersetzt werden. Es ist zu beachten, dass in SAP Lumira Designer angepasste Stories sich dann in SAP Lumira Discovery nur im Read-only-Modus öffnen lassen – es ist keine Anpassung mehr in SAP Lumira Discovery möglich.

Informationen über die Zusammenarbeit zwischen Lumira 2.0 und den beiden Tools der BI-Plattform sind den SAP-Notes 2467514 und 2515265 zu entnehmen.

Einen kleinen Makel gibt es jedoch: Während Lumira-Dokumente per OpenDocument problemlos geöffnet werden können, unterstützt das BI-Launchpad im Fiori-Design das neue Format von Lumira-Dokumenten noch nicht. Die Unterstützung kommt voraussichtlich erst mit dem nächsten Service Pack von Lumira (SAP-Note 2525534). Bis dahin müssen Sie für den Aufruf von Lumira-Dokumenten noch das alte BI-Launchpad verwenden.

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Das Business Intelligence Team von CONET verfügt über langjährige Erfahrung mit der Entwicklung und dem Betrieb von SAP-Design-Studio-Anwendungen und SAP-Lumira-Stories. Hinsichtlich des Aufstiegs auf SAP Lumira 2.0 bieten wir Leistungen in Rahmen von Workshops, Schulungen sowie Unterstützung bei der Migration von alten Anwendungen und Stories an. Außerdem bereiten wir zurzeit ein Webinar zum Thema Lumira 2.0 vor, dessen Termin auf www.conet.de/DE/CONET/Veranstaltungen/Webinare zeitnah bekannt gegeben wird.

Hinweis: Für diesen Eintrag standen uns folgende Systemkonfigurationen zur Verfügung

  • Server-seitig:
    • SAP BusinessObjects BI Plattform 4.2 SP4 Patch 3
    • SAP Lumira Server 2.0 SP2
  • Client-seitig:
    • SAP BusinessObjects BI Client Tools 4.2 SP4 Patch 3
    • SAP Lumira Discovery 2.0 SP2
    • SAP Lumira Designer 2.0 SP2
Dang Le

Dang Le

Junior Consultant bei CONET Business Consultants GmbH
Dang Le arbeitet im Team Business Intelligence als SAP BI Junior Consultant und entwickelt BI-Lösungen mit SAP Business Warehouse und SAP BusinessObjects Business Intelligence.
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