SAP Gateway – Die technische Grundlage für SAP Fiori

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  • 11. Januar 2016

Rund um Fiori existieren verschiedenste Technologien:

Es gibt eine Vielzahl an Software-Versionen, die eingesetzt werden können. Es tauchen Begriffe wie „Frontend“ und „Backend“ auf. Es wird von Hub- oder Embedded Deployment gesprochen.

Doch welcher dieser Begriffe ist wo einzuordnen? Was ist bei der Einrichtung zu beachten? Alles Fragen, bei denen Fiori etwas anders ist als das „klassische“ SAP. Dieser Blog-Beitrag gibt dazu eine Übersicht rund um die technischen Aspekte von Fiori.

Frontend und Backend
Fiori unterscheidet bei der Einrichtung zwischen Frontend und Backend. Beide Komponenten zusammen bilden die Infrastruktur für Fiori Apps, sollten aber durchaus getrennt betrachtet werden, da ihnen verschiedene Aufgaben zukommen. Das Frontend dient zur Bereitstellung der Fiori-App-Oberflächen. Es ist vergleichbar mit einer speziellen Art von Webserver, um die Business-Daten in Form von Apps für den Nutzer optimal zu visualisieren. Im Backend dagegen findet die gesamte Datenhaltung und Datenverarbeitung statt. Da das Backend i. d. R. die bereits genutzte Business Suite der SAP ist, ändert sich mit der Einführung von Fiori nichts an bisher bestehenden Prozessen.

Abbildung 1: Embedded Deployment

Abbildung 1: Embedded Deployment

Das SAP Gateway – Die Grundlage für Fiori
Immer wenn Fiori eingesetzt wird, bedarf es eines so genannten SAP Gateways als Frontend. Dabei stellt sich die Frage, ob für das „neue“ SAP Gateway immer ein eigener neuer Server benötigt wird?

Nein, auch wenn ein eigener Server sehr zu empfehlen ist! Das SAP Gateway ist in den SAP NetWeaver ABAP 7.40 bereits integriert und kann auf dem SAP NetWeaver ABAP 7.31 nachinstalliert werden. Das bedeutet jedes vorhandene Business-Suite-System auf der Basis des NetWeaver ABAP 7.40 / 7.31 kann auch als SAP Gateway eingesetzt werden. Frontend und Backend befinden sich dann auf dem gleichen System. Dieses Szenario wird auch Embedded Deployment genannt.

Dennoch ist es sinnvoll das Gateway separat zu betreiben. Wieso?

  • An ein zentral genutztes SAP Gateway können mehrere Backend-Systeme angeschlossen werden. Das separate Gateway bildet dann auch bei mehreren Backend-Systemen den zentralen Zugriffspunkt für Fiori.
  • Wenn auf Fiori über mobile Endgeräte zugegriffen wird, findet die Kommunikation meist über das Internet statt. Die Business Suite selber sollte aber nie direkt aus dem Internet erreichbar sein. Für das SAP Gateway, ohne Business-Daten, ist es weniger kritisch.
  • Frontend und Backend können unterschiedliche Wartungs-Zyklen haben. Bei Systemwartungen treten keine Abhängigkeiten zwischen den Systemen auf.
  • Die Auswirkungen für die bestehende Business Suite sind minimal.

Wenn das Gateway getrennt von der Business Suite eingerichtet wird, nennt sich dies auch Hub Deployment. Auch wenn das Hub Deployment alleine das schon ein Gewinn für die Sicherheit ist, kann die Sicherheit und Zugriffssteuerung durch Einsatz eines optionalen Reverse Proxys weiter erhöht werden.

Abbildung 2: Hub Deployment mit Proxy

Abbildung 2: Hub Deployment mit Proxy

Das SAP Gateway ist installiert, was ist nun bei der Einrichtung zu tun?

Die Einrichtung der Fiori-Umgebung besteht im Wesentlichen aus fünf bis sechs Schritten:

  1. SAP-Gateway-spezifische Webservices einrichten: Für das Gateway müssen im SAP-System unterschiedliche Webservices aktiviert werden. Hierzu zählt unter anderem der Service zur Bereitstellung der SAPUI5-Umgebung.
  2. Anbinden vorhandener Business-Suite-Systeme: Die Kommunikationskanäle zwischen Frontend und Backend müssen eingerichtet werden. Dies geschieht unter anderem über die Einrichtung einer Trusted-RFC-Verbindung.
  3. Fiori-App-spezifische Webservices einrichten: Apps kommunizieren mit dem Backend über so genannte OData Services. Diese greifen auf Daten im Backend zu und stellen diese der App zur Verfügung. Die wichtigsten Webservices sind die des Fiori Launchpad. Das Launchpad ist der zentrale Zugriffspunkt und alle späteren Apps werden integriert.
  4. Einspielen der Fiori-Oberflächen in das Gateway: Die Oberflächen für Fiori werden in separaten Add-Ons von der SAP ausgeliefert. Diese Oberflächen werden pro Anwendungsgebiet in separaten Paketen ausgeliefert. Es müssen daher die richtigen Pakete ermittelt und eingespielt werden.
  5. Einspielen einer aktuellen SAPUI5 Library: SAP Fiori nutzt die SAPUI5 Library. Diese wird regelmäßig aktualisiert und verbessert. Sie ist in das SAP Gateway integriert und kann separat aktualisiert werden.
  6. Komponenten im Backend einspielen (abhängig von der verwendeten App): Abhängig von der verwendeten Version der Business Suite und welche Apps genutzt werden, müssen auch in das Backend Add-Ons eingespielt werden. Ähnlich wie die Oberflächen sind diese auch App-spezifisch.

Die ersten Apps

Die Infrastruktur steht, die Umgebung ist eingerichtet, die Pakete sind installiert und das Fiori Launchpad, der zentrale Einstieg für Fiori, ist erreichbar. Glückwunsch, Sie haben die Grundlagen für Fiori geschaffen und bis zur ersten funktionsfähigen App ist nun nicht mehr weit. Welche App soll’s denn sein? Es gibt eine Vielzahl an Apps, die optimal für Ihr Unternehmen angepasst werden sollte. Gerne unterstützen wir Sie hier individuell und passen Fiori Apps sowie die technische Umgebung an Ihr Unternehmen an.

Moritz Menken

Moritz Menken

Moritz Menken berät als SAP Consultant die Kunden der CONET Business Consultants GmbH rund um die Themen Administration und Implementierung. Als Schwerpunkt berät und unterstützt er bei der Planung und Einrichtung von Fiori-Umgebungen, unter anderem auf Basis von SAP HANA.
Moritz Menken

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2 Kommentare

  • Torben sagt:

    Ist SAP Gateway jetzt der Ersatz für SAP NetWeaver? Oder haben die beiden nichts miteinander zu tun?

    • Vielen Dank für Ihren Kommentar, nach Rücksprache mit unserem Experten Moritz Menken können wir Ihnen folgende Antwort geben:

      Das Gateway ist nicht als Ersatz für SAP NetWeaver zu sehen, es ist vielmehr ein integraler Bestandteil des SAP NetWeaver der für Fiori konfiguriert werden muss. Bis einschließlich NetWeaver 7.31 wurde das Gateway als separates Add-On für ausgeliefert, ab 7.4 ist es fester Bestandteil jeder NetWeaver Installation. Von der Begrifflichkeit her wird im Fiori-Umfeld eher vom Gateway als vom NetWeaver ABAP gesprochen.

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