IT-Trends 2026: Cloud, KI und UX souverän denken

Die IT-Trends 2026 sind geprägt von der Frage, wie Cloud, KI und digitale Plattformen wirksam eingesetzt werden können. Der Fokus verschiebt sich von Technologieeinführung hin zu Souveränität, Skalierbarkeit und Governance. User Experience entscheidet dabei zunehmend über Akzeptanz und nachhaltigen Nutzen.

Foto: Mann und Frau schauen gemeinsam auf Laptop

Inhaltverzeichnis

Das Wichtigste im Überblick

  • Cloud-Strategien verschieben sich von reiner Migration hin zu aktiver Steuerung mit Fokus auf Souveränität, Governance und Kostenkontrolle.

  • Künstliche Intelligenz entwickelt sich vom Experiment zur produktiven Kerntechnologie, bei der Skalierung, Integration und Governance über den Mehrwert entscheiden.

  • Souveräne Cloud bedeutet nicht weniger Cloud, sondern mehr Kontrolle über Daten, Architekturen, Verträge und Abhängigkeiten.

  • Agentic AI und branchenspezifische Copilots automatisieren Prozesse zunehmend eigenständig und werden fester Bestandteil von Fachanwendungen.

  • Microsoft entwickelt sich von einer Tool-Landschaft zu einer integrierten Plattform für Automatisierung, KI, Zusammenarbeit und Governance.

  • UX und UI werden zu strategischen Erfolgsfaktoren, da sie Akzeptanz, Effizienz und Projektlaufzeiten direkt beeinflussen.

  • Erfolgreiche IT-Strategien 2026 integrieren Cloud, KI und UX ganzheitlich und richten sich konsequent auf nachhaltige Nutzung aus.

Cloud-Trends: Von Migration zu strategischer Steuerung

Die Cloud ist in vielen Organisationen angekommen, befindet sich aber in einer neuen Phase. Während es in den vergangenen Jahren vor allem um Migration ging, stehen nun Optimierung, Differenzierung und Governance im Vordergrund.

Ein zentrales Thema ist dabei die Souveränität. Hyperscaler investieren massiv in europäische Cloud-Angebote, während gleichzeitig spezialisierte EU-Anbieter an Bedeutung gewinnen. Für Unternehmen entsteht daraus ein Spannungsfeld zwischen Innovation, regulatorischen Anforderungen und Kontrolle über Daten und Workloads.

2026 geht es nicht mehr darum, ob Cloud genutzt wird – sondern unter welchen Bedingungen.

Parallel dazu übernimmt Künstliche Intelligenz zunehmend Aufgaben, die bislang manuell oder regelbasiert umgesetzt wurden. Typische Szenarien reichen von der Unterstützung bei Cloud-Migrationen über Security-Analysen bis hin zur Ablösung klassischer Virtualisierungsplattformen. KI wird damit zum operativen Bestandteil von Cloud-Strategien, nicht nur zum Analysewerkzeug.

Technisch zeigt sich ein klarer Trend zu verteilten Workloads. Das sogenannte Cloud-Edge-Kontinuum führt dazu, dass Workloads immer stärker über zentrale Cloud-Plattformen, Edge-Standorte und lokale Infrastrukturen verteilt werden. Gleichzeitig entwickeln sich Ausführungsmodelle weiter: Serverless wird flexibler, indem Funktionen (FaaS) und virtuelle Maschinen kombiniert werden. Diese „Serverless 2.0“-Ansätze ermöglichen neue Freiheitsgrade bei Performance, Kosten und Architektur.

Bemerkenswert ist auch die zunehmende Cloud-Repatriierung. Einige Organisationen holen gezielt Workloads zurück ins eigene Rechenzentrum oder in dedizierte Umgebungen, meist aus Kosten-, Compliance- oder Kontrollgründen. Das ist kein Gegenmodell zur Cloud, sondern der Ausdruck einer reiferen, differenzierten Cloud-Nutzung.

Hinzu kommen branchen-spezifische Cloud-Angebote, etwa für Verwaltung, Gesundheitswesen oder Handel, sowie der Trend zu Cross-Cloud-Strategien als logische Konsequenz von Multi-Cloud. Infrastrukturen werden zunehmend KI-gestützt optimiert, etwa durch automatisierte Skalierung, Kostenkontrolle oder Fehlererkennung. Cloud-Infrastruktur entwickelt sich damit vom statischen Fundament zur lernenden Plattform.

Foto: Philip Zweihoff

„Cloud ist heute kein Infrastrukturthema mehr, sondern ein strategisches Betriebsmodell. Wer Cloud nicht aktiv steuert, verliert Transparenz über Kosten, Risiken und Abhängigkeiten.“ – Dr. Philip Zweihoff, Vice President Cloud

Souveräne Cloud: Kontrolle, Compliance und Cloud-Nutzung vereinen

Für die kommenden zwölf Monate lässt sich ein klarer Schwerpunkt erkennen: Souveränität bleibt das dominierende Thema in Cloud-Strategien, insbesondere in regulierten Branchen und im öffentlichen Sektor.

Souveränität beschreibt dabei nicht den Verzicht auf Cloud, sondern die Fähigkeit, Daten, Workloads und Betriebsmodelle kontrolliert zu gestalten. Dazu gehören Aspekte wie Datenresidenz, Zugriffskontrolle, Transparenz über Sub-Dienstleister und die Möglichkeit, Abhängigkeiten aktiv zu managen.

Foto: Björn Wessel

„Souveräne Cloud bedeutet nicht weniger Cloud, sondern mehr Gestaltungsfähigkeit. Wer Architektur, Governance und Verträge im Griff hat, kann Cloud nutzen und trotzdem Kontrolle behalten.“ – Björn Wessel, Vice President Managed Services

Wichtiger als der konkrete Cloud-Anbieter sind die zugrunde liegende Architektur, klare Governance-Regeln und eine saubere vertragliche Ausgestaltung. Souveränität wird damit zur strategischen Designfrage und nicht zur Produktentscheidung.

KI-Trends: Vom Experiment zur skalierbaren Wertschöpfung

Auch im Bereich KI verschiebt sich der Fokus deutlich. Viele Organisationen haben erste Erfahrungen gesammelt, doch der nächste Schritt ist anspruchsvoller: KI muss vom Proof of Concept in den produktiven, skalierbaren Einsatz überführt werden.

Ein zentrales Stichwort ist dabei Agentic AI. KI-Agenten übernehmen zunehmend eigenständig Aufgaben innerhalb definierter Prozesse: sowohl in Unternehmen als auch in Behörden. Sie agieren nicht isoliert, sondern eingebettet in Fachanwendungen und IT-Systeme. Ergänzt wird dieser Ansatz durch branchen-spezifische Copilots, die gezielt auf Fachlogik, Datenmodelle und regulatorische Anforderungen zugeschnitten sind.

Gleichzeitig zeigt sich, dass nachhaltiger KI-Einsatz ohne solide Basis nicht funktioniert. Enterprise-RAG-Ansätze und strukturierte Wissensplattformen werden zur Voraussetzung, um generative KI kontrolliert und nachvollziehbar einzusetzen. Ebenso rücken Governance, Responsible AI und AI-Security stärker in den Vordergrund, nicht zuletzt durch den EU AI Act. Themen wie Schatten-KI, Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen und Datenschutz lassen sich nicht nachträglich „anbauen“, sondern müssen von Beginn an mitgedacht werden.

Foto: Christoph Hoffmann

„Der Mehrwert von KI entsteht nicht im Proof of Concept, sondern im stabilen Betrieb. Skalierung, Governance und Integration entscheiden über den Erfolg.“ – Christoph Hoffmann, Vice President Data Solutions & AI

Auf technischer Ebene gewinnt AI-augmented Software Engineering und IT Operations an Bedeutung. KI unterstützt Entwicklung, Test, Betrieb und Wartung, verändert aber auch Rollenbilder und Prozesse. Ergänzt wird dies durch den Aufbau KI-fähiger Datenplattformen und klar definierter Data Products, die als Grundlage für skalierbare KI-Strategien dienen.

Für Unternehmen kristallisiert sich damit ein klares Bild heraus: Ohne übergreifende KI-Strategie, die Technik, Organisation und Governance verbindet, würde Künstliche Intelligenz ein Thema für Insellösungen bleiben.

Microsoft Solutions: Plattformdenken statt Tool-Nutzung

Diese Entwicklungen spiegeln sich auch im Microsoft-Ökosystem wider. KI-Agenten erweitern Copilot zunehmend zu einer Plattform für Enterprise-Automationen, bei denen Prozesse nicht nur unterstützt, sondern eigenständig ausgeführt werden. Gleichzeitig entstehen mit App Builder und Workflow Agent neue Entwicklungsmodelle, die Low-Code, Pro-Code und KI kombinieren und damit neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen und IT ermöglichen.

Microsoft 365 wird intelligent, indem sich SharePoint und Teams zu einer KI-gestützten Arbeits- und Wissensplattform entwickeln. Das erhöht den Nutzen vorhandener Informationen, stellt aber auch neue Anforderungen an Informationsarchitektur und Governance.

Mit dem KI-Wachstum wird Power Platform Governance unverzichtbar. Guardrails, Application Lifecycle Management und Tenant-Kontrollen sind Voraussetzung, um Innovation zu ermöglichen, ohne die Kontrolle zu verlieren. Parallel dazu rücken Responsible AI, Compliance und Transparenz stärker in den Fokus – unterstützt durch integrierte Plattformfunktionen wie Purview.

Technisch bleibt Cloud Native auf Basis von Microsoft Azure das Fundament für diese Entwicklungen. Skalierbare KI-Services, verteilte Architekturen und resiliente Betriebsmodelle setzen moderne Cloud-Ansätze voraus. Ergänzt wird dies durch neue Formen der Zusammenarbeit, etwa durch immersive Meetings, sowie durch das wachsende Interesse an souveränen Cloud-Modellen, die Public- und Sovereign-Ansätze kombinieren.

Foto: Nicole Enders

„Das Microsoft-Angebot entwickelt sich von einer Tool-Suite zu einer integrierten Plattform für Automatisierung, KI und Zusammenarbeit. Der Mehrwert entsteht dort, wo diese Bausteine strategisch zusammenspielen.“ – Nicole Enders, Lead Developer Individual Software Development

UX/UI: Effizienz und Akzeptanz systematisch steuern

Mit zunehmender Komplexität von Cloud-, KI- und Plattformlandschaften rückt ein Faktor stärker in den Fokus: die tatsächliche Nutzung digitaler Lösungen. UX und UI entwickeln sich deshalb zu einem relevanten IT-Trend, weil sie direkten Einfluss auf Effizienz, Projektlaufzeiten und Akzeptanz haben.

Designsysteme als Single Source of Truth

In großen Organisationen entstehen digitale Lösungen häufig parallel in unterschiedlichen Teams. Designsysteme schaffen hier Ordnung, indem sie wiederverwendbare UI-Komponenten und klare Gestaltungsregeln zentral bereitstellen. Als Single Source of Truth reduzieren sie Abstimmungen zwischen UX, Entwicklung und Fachbereichen und sorgen für konsistente Nutzererlebnisse.

Entscheidend ist dabei weniger das Design selbst als der Skalierungseffekt: Mit klarer Governance und definierten Verantwortlichkeiten werden Designsysteme zu einem Effizienz- und Qualitätshebel in der Softwareentwicklung.

Prototyping verbessert Anforderungsmanagement

UX-Prototyping etabliert sich zunehmend als Kommunikationswerkzeug im Anforderungsmanagement. Interaktive Prototypen machen Anforderungen früh sichtbar, verkürzen Wartezeiten und helfen, Missverständnisse zwischen Fachbereich, IT und Auftraggebern zu vermeiden.

Prototypen bieten darüber hinaus den Mehrwert, dass sich Lösungsansätze früh bewerten, Entscheidungen fundierter treffen und spätere Korrekturschleifen reduzieren lassen.

Frühzeitige UX-Einbindung spart Zeit und Budget

Ein klarer Trend ist die frühzeitige Einbindung von UX nach dem „Shift-Left“-Prinzip. Wird UX bereits im Entwicklungsprozess verankert, sinkt der Abstimmungs- und Anpassungsaufwand in späteren Projektphasen deutlich. Praxisbeispiele zeigen weniger Iterationen, höhere Nutzerakzeptanz und stabilere Projektlaufzeiten.

Foto: Jochen Müller

„UX entscheidet, ob Cloud- und KI-Investitionen im Alltag ankommen. Ohne nutzerzentrierte Gestaltung bleiben selbst technisch exzellente Lösungen hinter ihrem Potenzial zurück.“ – Jochen Müller, Vice President Online Communication

Fazit: IT-Strategie neu denken – integriert, souverän, KI-gestützt

Die IT-Trends der kommenden Monate zeigen eine klare Richtung: Cloud, KI und Plattformen wachsen zusammen, während Anforderungen an Souveränität, Governance und Nutzbarkeit steigen. Für Unternehmen entscheidet sich der Erfolg weniger an einzelnen Technologien als an durchdachten Architekturen, klaren Leitlinien und einer konsequenten Ausrichtung auf produktive Nutzung. Wer Cloud-, KI- und UX-Themen integriert denkt, schafft die Basis für skalierbare, sichere und wirksame Digitalisierung.

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