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„Hybrid plus Souveränität" – das Cloud-Modell der Zukunft

Lünendonk im Interview mit conet: Das folgende Interview mit conet-CEO Martin Wibbe stammt aus der aktuellen Lünendonk®-Studie „Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland“, die conet als Studienpartner begleitet hat.

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· Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: · Thema: Cloud , Digitale Verteidigung , Künstliche Intelligenz (KI)
Martin Wibbe, CEO der conet-Gruppe

Als führendes Unternehmen in der Lünendonk-Liste der größten mittelständischen IT-Beratungen ist conet 2025 stark gewachsen. Im Interview erklärt CEO Martin Wibbe, warum KI-Governance kein Hemmnis, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor ist, und welche Voraussetzungen es braucht, damit auch der öffentliche Sektor von agentischer KI profitieren kann. Dabei skizziert er ein neues Cloud-Modell der Zukunft – „Hybrid plus Souveränität" – und betont die Notwendigkeit standardisierter Architekturen für eine sichere, skalierbare Verwaltungsdigitalisierung.

Lünendonk: conet ist 2025 um 12,5 Prozent gewachsen und belegt damit Rang 15 in der Lünendonk-Liste der führenden IT-Beratungs- und Systemintegrations-Unternehmen. Zum Vergleich: Im Durchschnitt sind IT-Dienstleister um 3,3 Prozent gewachsen. Welche Themen und Services verzeichneten eine besonders starke Nachfrage?

Martin Wibbe: Wir sind sehr stolz auf dieses Wachstum und es ist das Ergebnis unserer klaren Ausrichtung auf die Kundenbedürfnisse. Besonders stark gefragt waren Leistungen in den Bereichen Data Architecture und KI-Transformation, da viele Organisationen ihre Datenbasis modernisieren und KI strategisch verankern.

Ein weiterer Treiber war digitale Souveränität, insbesondere in unseren Kernmärkten Public und Defense, wo Sicherheit und Unabhängigkeit zunehmend entscheidend sind. Parallel dazu sehen wir eine hohe Nachfrage nach Business Platform Transformation, um Prozesse zu harmonisieren und Innovation zu beschleunigen.

Ein dynamisches Wachstumsfeld ist zudem agentische KI, insbesondere in Branchen wie Finance, Insurance, Energy & Utilities und Manufacturing. Hier entstehen aktuell neue, skalierbare Wertschöpfungspotenziale durch autonom agierende Systeme.

Lünendonk: Daten und KI müssen richtig gesteuert werden, um nicht die Kontrolle zu verlieren und eine Schatten-KI zu entwickeln. 78 Prozent der befragten Unternehmen in der Studie geben daher an, dass KI-Governance an Bedeutung gewinnt. Wie begegnen Sie dem?

Martin Wibbe: Wir erleben im Markt sehr deutlich, dass Architekturthemen – insbesondere die Datenarchitektur – massiv an Bedeutung gewinnen. Die Entwicklung von KI ist sehr dynamisch: Unternehmen müssen einerseits Chancen schnell nutzen, andererseits Risiken verstehen und kontrollieren.

"Die Entwicklung von KI ist sehr dynamisch: Unternehmen müssen einerseits Chancen schnell nutzen, andererseits Risiken verstehen und kontrollieren. Genau hier setzt KI-Governance an." 

Genau hier setzt KI-Governance an. Die Grundlage dafür ist eine klare, unternehmensweite Datenstrategie. Sie definiert, welche Daten wie genutzt werden, schafft Transparenz und stellt sicher, dass KI-Anwendungen auf einer sauberen, vertrauenswürdigen Basis aufbauen. Ohne diese Grundlage drohen Fragmentierung und die angesprochene „Schatten-KI“.

Parallel dazu unterstützen wir unsere Kunden beim Aufbau von Governance- und Architekturmodellen, die Sicherheit, Compliance und Nachvollziehbarkeit gewährleisten – gerade auch mit Blick auf regulatorische Anforderungen.

Entscheidend ist zudem, dass Organisationen agile IT-Strukturen etablieren. Nur so lassen sich KI-Lösungen schnell, aber gleichzeitig kontrolliert und souverän in die Breite bringen. Unser Ansatz ist es, Governance nicht als Bremse zu verstehen, sondern als Enabler für eine skalierbare und verantwortungsvolle KI-Nutzung.

Lünendonk: Der öffentliche Sektor hat im Vergleich zur Privatwirtschaft einen geringeren Digitalisierungsgrad. Welche Voraussetzungen müssen geschaffen werden, damit auch dort Agentic AI Einzug erhält?

Martin Wibbe: Die Voraussetzungen sind im Kern dieselben wie in der Privatwirtschaft: Befähigung, Mut zur Veränderung und vor allem eine klare Datenstrategie als Grundlage für den Einsatz von KI. Gerade im öffentlichen Sektor zeigt sich jedoch der Nachholbedarf: Deutschland liegt bei der digitalen Verwaltung in Europa nur im hinteren Drittel und auch im EU eGovernment Benchmark lediglich im unteren Mittelfeld. 

Um Agentic AI zu ermöglichen, braucht es daher zusätzlich standardisierte Daten- und IT-Architekturen sowie agile Strukturen, die eine sichere, souveräne und skalierbare Nutzung von KI erlauben.

Lünendonk: Laut der Lünendonk-Studie ist digitale Souveränität – und insbesondere Datensouveränität – ein Schwerpunktthema für CIOs. 51 Prozent gehen davon aus, dass souveräne Cloud-Angebote bis 2030 die Hälfte aller Cloud-Ressourcen ausmachen. Welche Erwartungen haben Sie, wie sich digitale Souveränität in den kommenden Monaten entwickeln wird?

Martin Wibbe: Wir sehen bereits heute eine deutlich steigende Nachfrage nach digitaler Souveränität und insbesondere Datensouveränität. Für viele Organisationen ist das kein abstraktes Zukunftsthema mehr, sondern eine konkrete Anforderung an ihre IT-Strategie.

Entscheidend ist dabei ein differenzierter Ansatz. Mit unserem Souveränitätskompass unterstützen wir Kunden dabei, gezielt zu bewerten, wo souveräne Alternativen sinnvoll und notwendig sind – und wo nicht. Denn klar ist auch: Souveränität wird zunächst mit Mehrkosten verbunden sein, die jedoch im Verhältnis zur jeweiligen Schutz- und Compliance-Anforderung stehen müssen.

Wir gehen davon aus, dass sich das Cloud-Modell weiterentwickelt: Neben der etablierten Hybrid-Cloud wird künftig eine zusätzliche Dimension entstehen – „Hybrid plus Souveränität“. Unternehmen werden ihre Workloads noch bewusster danach ausrichten, welche Anforderungen an Kontrolle, Resilienz und regulatorische Konformität bestehen.

Wichtig ist dabei: Es wird keinen One-Size-fits-all-Ansatz geben. Deshalb arbeiten wir bewusst mit allen relevanten Cloud-Anbietern und Ökosystemen, um unsere Kunden flexibel und bestmöglich auf ihrem individuellen Weg zu mehr digitaler Souveränität zu begleiten.

“Unser Ansatz ist es, Governance nicht als Bremse zu verstehen, sondern als Enabler für eine skalierbare und verantwortungsvolle KI-Nutzung.”

Lünendonk: Welche weiteren Entwicklungen sollten Ihre Kunden aus dem öffentlichen Sektor unbedingt im Blick haben?

Martin Wibbe: Angesichts der angespannten Sicherheitslage und rasenden KI-Innovationszyklen spielt unter dem Stichwort Cyber Security die kurzfristige Härtung unserer Verwaltungs-IT und damit die Sicherstellung staatlicher Handlungsfähigkeit eine priorisierte Rolle. Sichere und moderne Verwaltungsinfrastruktur schützt uns nicht nur vor hybriden Bedrohungslagen von außen, sie stärkt auch das Vertrauen in Staat und Demokratie nach innen.

Darüber hinaus sollten verstärkt Entwicklungen ins Blickfeld rücken, die jetzt den Übergang von Konzepten in konkrete Umsetzung ermöglichen. Die zentralen Herausforderungen der Verwaltungsdigitalisierung sind bekannt, ihre Bedeutung ist erkannt, und wichtige Grundlagen wurden auf Bundesebene bereits gelegt.

Ein gutes Beispiel ist der Deutschland Stack. Er setzt auf Standardisierung und klare Leitplanken für eine souveräne, interoperable Verwaltungsinfrastruktur. Entscheidend wird sein, neue Technologien mit bestehenden, funktionierenden Lösungen intelligent zu verbinden. So lassen sich Tempo und Nutzbarkeit spürbar erhöhen. Neben technischen Standards braucht es gemeinsamen Willen und verbindliche Rahmenbedingungen, um im föderalen System echte Handlungsfähigkeit herzustellen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Registermodernisierung. Erste Anwendungsfälle zeigen, wie Online-Dienste lange Antragsstrecken und komplizierte Formulare ablösen können. Ansätze wie „Register as a Service“ und erste NOOTS-Pilotanwendungen machen deutlich: Viele Bausteine sind vorhanden. Jetzt geht es um Skalierung und konsequente Nachnutzung von Lösungen und Erkenntnissen.

Das Thema Künstliche Intelligenz haben wir bereits angesprochen. KI wird die Verwaltung grundlegend verändern. Sie kann als wertvolles Werkzeug Verfahren beschleunigen, Informationen strukturieren und Fachbereiche entlasten. Aber der Mensch muss im Mittelpunkt von Bewertung und Entscheidung bleiben. „Human in the Loop“ ist zentral, um Effizienzgewinne mit rechtsstaatlichen Anforderungen in Einklang zu halten.

Für diese und viele weitere wichtige Bereiche der digitalen Transformation im Public Sector gilt: Entscheidend ist nun, daraus schneller skalierbare Praxis zu machen. Dafür braucht es Mut, Umsetzungsstärke und klaren Veränderungswillen, damit nachhaltiger Fortschritt im öffentlichen Sektor möglich wird.

Lünendonk: Der Fachkräftemangel im Public-Sector-Umfeld mit spezifischen Sicherheitsanforderungen ist nach wie vor stark. Wie stellt sich conet auf, um die richtigen Skill-Profile zu gewinnen und zu halten?

Martin Wibbe: Der Fachkräftemangel ist in unserem Umfeld besonders ausgeprägt – gleichzeitig verfügen wir hier über einen klaren Vorteil. Seit fast 40 Jahren sind wir im Public Sector aktiv und haben dadurch tiefes Markt- und Domänenwissen aufgebaut, das wir gezielt an neue Kolleginnen und Kollegen weitergeben.

Zugleich bieten wir ein stabiles und sicheres Arbeitsumfeld, das gerade in diesem sensiblen Bereich sehr geschätzt wird – heute von über 2.000 Mitarbeitenden. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Aufbau und der Bindung von speziell qualifiziertem und geschultem Personal, das angesichts steigender Anforderungen ein wichtiges Differenzierungsmerkmal darstellt. Darauf bauen wir konsequent auf und entwickeln diese Kompetenzen gezielt weiter.

Lünendonk: Zum Abschluss: conet tritt seit Ende 2025 mit einem neuen Branding am Markt auf. Was hat Sie dazu bewegt und wofür möchten Sie heute und in Zukunft stehen? 

Martin Wibbe: "Heute lösen, was morgen zählt!” ist ein zentraler Satz unserer Brandstory. Die Geschichte von conet reicht fast 40 Jahre zurück. In dieser Zeit wuchs das Unternehmen anorganisch und wird es weiter tun. 

Im Rahmen unserer Horizon28-Strategie ging es auch darum, allen deutschen Tochtergesellschaften ein gemeinsames Zuhause zu geben – eine gemeinsame Marke ist dafür sehr wichtig. Deshalb wurde unter Beteiligung der Mitarbeitenden eine neue Marke erarbeitet, die zur DNA des Unternehmens passt. Denn wir arbeiten heute für morgen, ohne dass wir Luftschlösser bauen. Die Zukunft beginnt heute und wir begegnen den Herausforderungen unserer Kunden weiterhin mutig bodenständig und entschlossen pragmatisch. Leading forward!

PDF: Lünendonk-Studie 2026 "Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland"

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PDF: Lünendonk-Studie 2026 "Der Markt für IT-Dienstleistungen in Deutschland"
Bild: Vorwort der Luenendonk-Studie 2026
Bild: Vorschau aus der Luenendonk-Studie 2026

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