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EUDI-Wallet einfach erklärt: Digitale Identitäten und Nachweise in Europa

Seit fast zehn Jahren lassen sich die Daten des elektronischen Personalausweises einfach mit einem Smartphone auslesen. Es ist kein externer Kartenleser nötig. Man hält die Karte lediglich an das Smartphone und die App liest die Daten aus. Trotzdem wird die Online-Ausweisfunktion bislang selten genutzt.¹ Vielen Bürgerinnen und Bürgern sind die konkreten Anwendungsmöglichkeiten und Mehrwerte nicht bekannt. Somit stellt sich auch für Organisationen oft die Frage: Welchen konkreten Mehrwert bietet die digitale Identität eigentlich im Alltag?

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· Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert: · Thema: Business Transformation & Platforms , Digitale Verwaltung
Foto: Person schaut auf Smartphone, Wallet Logo im Vordergrund

Mit der European Digital Identity Wallet (EUDI-Wallet) möchte die Europäische Union genau darauf eine Antwort geben. Die digitale Brieftasche soll elektronische Identitäten mit weiteren digitalen Nachweisen verbinden und so neue Anwendungsfälle für Bürgerinnen und Bürger, Unternehmen und Behörden schaffen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die EUDI-Wallet soll ab 2027 digitale Identitäten und weitere digitale Nachweise in einer europaweit nutzbaren digitalen Brieftasche bündeln.
  • Nutzerinnen und Nutzer können Nachweise wie Bildungsabschlüsse, Berechtigungen oder Identitätsdaten sicher speichern und gezielt freigeben.
  • Organisationen können digitale Nachweise ausstellen (Issuer) oder prüfen und in ihre Prozesse integrieren (Verifier).
  • Die EUDI-Wallet ermöglicht einen standardisierten und medienbruchfreien Austausch von Nachweisen zwischen Personen, Unternehmen und Behörden.
  • Durch die gezielte Freigabe einzelner Attribute unterstützt die Wallet Datenschutz und Datensparsamkeit.
  • Unternehmen sollten frühzeitig prüfen, wie sich EUDI-Wallet-Funktionen in bestehende Systeme und digitale Prozesse integrieren lassen.
  • Die EUDI-Wallet ist ein zentraler Baustein der eIDAS-2.0-Verordnung und soll ein europaweites Ökosystem digitaler Identitäten schaffen.

Was ist die EUDI-Wallet?

Die EUDI-Wallet ist eine digitale Brieftasche für elektronische Identitäten und digitale Nachweise. Neben Identitätsdaten sollen künftig beispielsweise Bildungsnachweise, Berechtigungen oder weitere digitale Dokumente darin gespeichert werden können. Die Wallet soll ab 2027 für Bürgerinnen und Bürger sowie in der EU wohnende Personen verfügbar sein und EU-weit akzeptiert werden.

Hinter diesem Ansatz steht die eIDAS-2.0-Verordnung, die ein europaweit interoperables Ökosystem für digitale Identitäten schaffen soll. Die EUDI-Wallet bildet dabei das zentrale Instrument.

Gut zu wissen: Die deutsche Umsetzung der EUDI-Wallet trägt künftig den Namen „d-you“. Die App soll Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland als digitale Brieftasche für Identitäten und Nachweise zur Verfügung stehen.

Warum die EUDI-Wallet für Unternehmen relevant ist

Für Unternehmen und Behörden ist die EUDI-Wallet weit mehr als eine neue App. Sie schafft einen standardisierten europäischen Mechanismus für die Identifikation von Personen sowie für den sicheren Austausch digitaler Nachweise.

Organisationen können dabei unterschiedliche Rollen im Ökosystem übernehmen. Als Issuer stellen sie digitale Nachweise aus, beispielsweise Zertifikate, Berechtigungen oder Ausbildungsnachweise. Als Verifier prüfen und verarbeiten sie diese Nachweise in ihren Geschäftsprozessen. Die Wallet-Nutzerinnen und -Nutzer (Holder) entscheiden dabei jederzeit selbst, welche Daten sie freigeben.

Welche Systeme von der EUDI-Wallet profitieren können

Die EUDI-Wallet ist nicht nur eine neue Form der digitalen Identität, sondern kann bestehende Geschäfts- und Verwaltungsprozesse erweitern. Je nach Anwendungsfall lassen sich verschiedene Unternehmenssysteme und Fachverfahren anbinden, um digitale Nachweise automatisiert auszustellen, zu prüfen oder zu verarbeiten. Zu diesen gehören unter anderem:

Unternehmen und Behörden sollten daher frühzeitig prüfen, welche Prozesse von standardisierten digitalen Nachweisen profitieren können und welche Schnittstellen künftig benötigt werden.

Der erste Schritt: Die digitale Identität in der Wallet hinterlegen

Auf den ersten Blick beginnt bei der EUDI-Wallet App zumeist alles wie mit der AusweisApp. Das liegt daran, dass Funktionen der Brieftasche häufig mindestens ein hoheitliches Dokument benötigen, das den Eigentümer oder die Eigentümerin eindeutig identifiziert.

Zu Beginn hinterlegen die User einmalig ihren elektronischen Personalausweis oder Aufenthaltstitel in der Wallet, indem sie die entsprechende Karte auslesen lassen. Danach ist für die weitere Nutzung der EUDI-Wallet kein erneutes Auslesen des Personalausweises erforderlich.

Ein vorhandenes Online-Ausweisdokument wird dabei als sogenannte Person Identification Data (PID) in der Wallet gespeichert. Für viele User wird dies der erste Schritt sein, da Personalausweis und Aufenthaltstitel voraussichtlich unmittelbar zum Start der Produktivumgebung ab 2027 unterstützt werden. Weitere digitale Nachweise sollen schrittweise folgen.

Digitale Nachweise in der Wallet speichern

Die europäische Demo-Umgebung für die EUDI-Wallet erlaubt neben der PID das Testen weiterer Dokumententypen, darunter das Learning Credential. Die dargestellten Screenshots dienen daher vor allem der Veranschaulichung des Prozesses und nicht der finalen Ausgestaltung solcher Nachweise.

Nehmen wir an, ein Sprachzertifikat oder ein Schulabschluss wird künftig als digitaler Nachweis bereitgestellt. Hierfür erhält die Absolventin oder der Absolvent beispielsweise einen QR-Code oder einen Link. Nach dem Öffnen wird die EUDI-Wallet gestartet und zeigt die Anfrage direkt an. Der eigentliche Prozess ähnelt dem, was Unternehmen bereits aus modernen Mobile-Apps kennen: Ein Nachweis wird von einer vertrauenswürdigen Organisation ausgestellt und nach Zustimmung der User direkt in die Wallet übertragen.

Nach Prüfung der Informationen können User den Nachweis in ihrer Wallet speichern. Anschließend steht dieser als digitales Dokument innerhalb der Wallet zur Verfügung. Der Begriff „Dokument“ bezeichnet hierbei keinen klassischen Anhang wie eine PDF-Datei, sondern einen strukturierten digitalen Nachweis, dessen Inhalte anschließend automatisiert verarbeitet werden können.

Nachweise sicher und gezielt teilen

Der eigentliche Mehrwert der EUDI-Wallet liegt nicht im Speichern von Dokumenten, sondern im kontrollierten Austausch von Informationen. Digitale Angebote der öffentlichen Verwaltung, Banken, Versicherungen, Bildungsanbieter oder anderer Organisationen können gezielt bestimmte Informationen anfordern. Die User entscheiden anschließend selbst, welche Daten freigegeben werden. So kann die EUDI-Wallet beispielsweise dort eingesetzt werden, wo heute Video-Ident-Verfahren oder manuelle Dokumentenprüfungen erforderlich sind. 

Ein weiteres Beispiel ist die Altersverifikation. Ein Supermarkt könnte lediglich die Information abfragen, ob eine Person das erforderliche Mindestalter erreicht hat. Anstelle der vollständigen Ausweisdaten wird dabei nur das tatsächlich benötigte Attribut übertragen. Dieses Prinzip der Datensparsamkeit gehört zu den zentralen Eigenschaften der EUDI-Wallet.

Beispiel: Einreichen eines Bildungsnachweises

Kehren wir zu Usern mit gespeichertem Learning Credential zurück. Bewirbt sich die Person bei einer Universität, kann diese über die EUDI-Wallet gezielt bestimmte Informationen anfordern. Sie erhält einen Link oder QR-Code und öffnet die Wallet. Die Wallet zeigt anschließend an, welche Informationen abgefragt werden sollen. Vor der Freigabe kann die Person die angeforderten Merkmale einsehen und entscheiden, ob sie diese teilen möchte. Nach Bestätigung mittels ihrer Wallet-PIN werden die Informationen sicher übertragen und der Bewerbungsprozess kann fortgesetzt werden.

Dieser standardisierte und medienbruchfreie Datenaustausch gehört zu den wesentlichen Vorteilen der EUDI-Wallet gegenüber heutigen Verfahren mit Dokumenten-Uploads, manuellen Prüfungen oder Scan-Kopien. User können zudem jederzeit nachvollziehen, welche Daten sie an welche Organisation übermittelt haben.

Fazit

Dieser Einblick zeigt die EUDI-Wallet zunächst aus Sicht der Nutzerinnen und Nutzer. Gleichzeitig wird deutlich, dass hinter der Wallet weit mehr steckt als eine digitale Version des Personalausweises. Die EUDI-Wallet schafft die Grundlage für europaweit nutzbare digitale Identitäten und standardisierte Vertrauensprozesse. Digitale Nachweise können medienbruchfrei ausgestellt, verwaltet und geprüft werden.

Für Unternehmen und Behörden stellt sich daher weniger die Frage, ob die EUDI-Wallet relevant wird, sondern wann und in welcher Rolle die eigene Organisation Teil des entstehenden Ökosystems sein wird.

Organisationen sollten bereits heute prüfen:

  • Welche Nachweise sie künftig ausstellen möchten
  • Welche Nachweise sie akzeptieren möchten
  • Welche Systeme und Prozesse angebunden werden müssen
  • Welche regulatorischen Anforderungen daraus entstehen

Wer frühzeitig Erfahrungen mit der EUDI-Wallet sammelt, kann nicht nur regulatorische Anforderungen erfüllen, sondern auch bestehende Geschäfts- und Verwaltungsprozesse nachhaltig vereinfachen.

Quelle 1: Substanzieller Anstieg: In allen Bevölkerungsgruppen nutzen mehr Menschen die eID - Initiative D21

FAQ zur EUDI-Wallet

Die EUDI-Wallet ist eine digitale Brieftasche, mit der Bürgerinnen und Bürger digitale Identitäten und weitere elektronische Nachweise sicher speichern, verwalten und gezielt teilen können.

Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union müssen bis 2027 mindestens eine EUDI-Wallet-Lösung bereitstellen. In Deutschland ist die Einführung der staatlichen Wallet für 2027 vorgesehen.

Neben der digitalen Identität sollen künftig weitere Nachweise unterstützt werden, darunter Bildungsnachweise, Führerscheine, Altersnachweise, Berechtigungen und weitere digitale Zertifikate.

Die Nutzerinnen und Nutzer behalten die Kontrolle über ihre Daten. Sie können vor jeder Freigabe prüfen, welche Informationen angefragt werden, und entscheiden selbst, ob sie diese übermitteln möchten.

Unternehmen können digitale Nachweise automatisiert prüfen, Medienbrüche reduzieren und bestehende Prozesse wie Kunden-Onboarding, Bewerbungsverfahren oder Vertragsabschlüsse effizienter gestalten.

Organisationen können digitale Nachweise ausstellen (Issuer) oder Nachweise prüfen und verarbeiten (Verifier). Viele Unternehmen werden künftig eine oder beide Rollen einnehmen können.

Bereit für die EUDI-Wallet?

Sie möchten bewerten, welche Auswirkungen die EUDI-Wallet auf Ihre Organisation, Prozesse oder Systemlandschaft haben wird? Sprechen Sie mit unseren Expertinnen und Experten über mögliche Anwendungsfälle, Integrationsszenarien und regulatorische Anforderungen.

Hinweise finde ich in den Informationen zum Datenschutz.

* Einträge in diesen Feldern sind erforderlich.

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Deine Kontaktperson Dr. Birte Lönneker-Rodman

Principal Consultant

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